Ostsee wahrscheinlich schon gekippt

28. Februar 2005, 13:08
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Schwedische Expertengruppe: Sauerstoffmangel in Tiefengewässern bereits seit den fünfziger Jahren relativ konstant

Göteborg/Helsinki - Das Ökosystem der Ostsee ist wahrscheinlich bereits gekippt. Das ist das Ergebnis von Untersuchungen der Umweltexpertengruppe der schwedischen Regierung. In einem Artikel der überregionalen Tageszeitung "Göteborgs-Posten" (Dienstagsausgabe) schlagen die Forscher Alarm. Neuesten Erkenntnissen zufolge ist das Meer offenbar nicht mehr in der Lage, den Sauerstoffmangel und die Überdüngung zu bewältigen. Schlussfolgerung: "Es dürfte schwerer sein, diesen Zustand zu beheben, als wir bisher geglaubt haben".

"Wir werden möglicherweise gezwungen sein, uns an Giftalgen, Badebuchten voll mit schleimigen Algen und eine anhaltende Krise der Fischerei zu gewöhnen.", schreibt die Expertengruppe in einem Beitrag für die Zeitung. Trotz jahrzehntelanger politischer Initiativen und Umweltinvestitionen unter anderem in Kläranlagen sei es nicht gelungen, die schwere Überdüngung der Ostsee zu verringern. Diese erstaunliche Tatsache habe den Anlass für die neue Hypothese gegeben.

Derzufolge könnte der Zustand des Meeres - Überdüngung und Sauerstoffmangel - auch in den tiefen Meeresteilen bereits ein stabiler sein. Untermauert wird die Hypothese durch die Auswertung langfristiger Messdaten. "Die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung wurden zusammengeführt und ein neues Bild beginnt zu Tage zu treten.", schreiben die Forscher.

Dramatische Veränderung

Bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts sei Sauerstoffmangel in den Tiefengewässern der Ostsee außergewöhnlich selten gewesen. Danach sei offenbar etwas "Dramatisches" passiert und der Sauerstoffmangel habe sich in die Tiefen ausgebreitet und die dort lebenden Organismen erstickt. Seither seien nur vorübergehende Verbesserungen des Zustandes beobachtet worden.

Das Problem müsse nun auf höchster politischer Ebene priorisiert und angegangen werden. Die Expertengruppe rief die schwedische Regierung dazu auf, unter Beteiligung aller Ostseeanrainerstaaten schnellstens dafür zu sorgen, endgültige Klarheit über den Zustand des Meeres und mögliche Sanierungsmaßnahmen herzustellen. (APA)

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Göteborgs-Posten
(Schwedisch-Kenntnisse notwendig)

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    Luftaufnahme von einem Ostsee-Abschnitt nahe der Fehmarnsund-Brücke: Das Gewässer ist durch eine starke Zunahme von Blaualgen schwer beeinträchtigt.

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