Vorwurf im LKH Vöcklabruck: Patienten "verpfuscht"

22. Februar 2005, 20:52
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Chirurgieprimar beklagt Personalmangel

Das erst im vergangenen Jahr eröffnete neue Landeskrankenhaus (LKH) in Vöcklabruck in Oberösterreich ist vom Vorwurf betroffen, dort seien Patienten "verpfuscht" worden. Erhoben wird Vorwurf vom Chirurgie-Primar Wolfgang Simma in einem vertraulichen Brief an den Spitalsbetreiber, die landeseigene Oberösterreichische Gesundheits- und Spitals-AG (gespag), über den die Oberösterreichischen Nachichten (OÖN) in ihrer Dienstag-Ausgabe berichteten. Demnach klagt der Primar über Personalmangel. Die gespag kündigte für Dienstagvormittag eine Pressekonferenz mit einer Stellungnahme an.

Bein amputiert

Einer Patientin habe ein Bein amputiert werden müssen, weil sie nicht rechtzeitig operiert werden habe können, ein anderer Patient habe nach einem Zwölffingerdarmgeschwür auch noch eine Bauchfellentzündung erlitten, weil er zu spät operiert worden sei, bei einer dritten Patientin habe eine Operation wegen eines Dickdarmverschlusses um acht Stunden verschoben werden müssen - diese drei Fälle zählte Simma in seinem Schreiben auf. Er kritisierte, es sei schlicht und einfach untragbar, dass die chirurgische Abteilung des Schwerpunktkrankenhauses Vöcklabruck an zwei Tagen in der Woche nur über einen einzigen Operationssaal - von zehn - verfüge. Zudem stehe ab 15.00 Uhr nur mehr ein einziger Operationstisch zur Verfügung, auf dem die Akutfälle aller chirurgisch tätigen Fachbereiche versorgt werden sollen.

Aufschrei

Simma schildere weiter, dass im alten Krankenhaus wenigstens zwei Operationstische zur Verfügung gestanden seien. Aus ethischen Gründen sei man gezwungen, das Operationsprogramm zu reduzieren, um Kapazitäten für Akutfälle zur Verfügung zu haben. Dieser Brief sei keine Bitte, sondern ein Aufschrei, das Personal entsprechend aufzustocken, zitiert die Zeitung aus dem Brief des Primars.

Gespag-Vorstand Maximilian Koblmüller reagierte in den OÖN, man werde die Fälle genau prüfen. Es sei aber sicher nicht so, dass im neuen LKH Vöcklabruck weniger Operationskapazitäten zur Verfügung stünden als im alten. Es gebe sogar eine eigene Mannschaft für Notfälle, daher könnten auch nach 15.00 Uhr zwei OP-Teams eingesetzt werden. (APA)

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