Nordkorea schließt Rückkehr an den Verhandlungstisch nicht aus

24. Februar 2005, 10:49
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Seoul und Tokio begrüßen Wende im Atomstreit

Peking/Seoul - Im Streit um sein Atomprogramm ist Nordkorea von der jüngst verkündeten Verweigerungshaltung abgerückt und hat eine Rückkehr an den Verhandlungstisch für möglich erklärt. In einem Gespräch mit dem chinesischen Unterhändler Wang Jiarui erklärte Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il laut chinesischen Staatsmedien, Nordkorea wolle die Sechs-Länder-Gespräche wieder aufnehmen, "wenn die Bedingungen stimmten". Kim habe beteuert, dass er den Streit im Dialog lösen wolle. Die Verlautbarungen aus Pjöngjang stellen eine neuerliche Wende in der nordkoreanischen Außenpolitik dar: Erst vor zwei Wochen hatte das Land den Besitz von Atomwaffen und den Ausstieg aus den Sechs-Länder-Gesprächen verkündet.

Die chinesischen Medien führten nicht an, an welche Bedingungen Kim den Neubeginn der internationalen Verhandlungen knüpfte. Im Fernsehen sagte Unterhändler Wang: "Generalsekretär Kim Jong Il hat es sehr klar gemacht, dass die koreanische Halbinsel nuklearfrei gehalten werden und die Frage durch Dialog gelöst werden müsse, und dass sich sein Ziel und seine Haltung dabei nicht geändert hätten." Die USA müssten nun "vertrauenswürdige Aufrichtigkeit" zeigen.

Wang überreichte Kim eine Botschaft von Chinas Präsident Hu Jintao. "China wünscht, dass die Situation nicht weiter kompliziert wird und dass die Sechs-Parteien-Gespräche bald wieder aufgenommen werden", zitierte Xinhua aus dem Schreiben. Die "Sicherung von Frieden und Stabilität" und die Beseitigung von Bedenken auf nordkoreanischer Seite seien nun wichtig. Das chinesische Außenministerium forderte Nordkorea und die USA nach den jüngsten Verlautbarungen Kims auf, größere Anstrengungen zur Wiederaufnahme der Gespräche zu unternehmen.

Südkorea begrüßte die Äußerungen Kims. "Die Tatsache, dass der Vorsitzende Kim persönlich die Sechs-Länder-Gespräche nicht ablehnt, gibt uns einen Grund mehr, optimistisch zu sein", sagte Außenminister Ban Ki Moon in Seoul. Er vermute, dass sich Nordkorea durch sein Taktieren in eine Position der Stärke vor der Wiederaufnahme von Verhandlungen bringen wolle.

Der japanische Außenminister Nobutaka Machimura sagte in Tokio, Nordkorea müsse endlich den Aufrufen folgen und ohne Vorbedingungen wieder an den Sechs-Nationen-Gesprächen teilnehmen. Eine Rückkehr Pjöngjangs an den Verhandlungstisch sei aus japanischer Sicht begrüßenswert. Tokio wolle, dass Nordkorea nun "konkrete Taten" zeige. Die Wende in der nordkoreanischen Haltung nannte der Minister "eine wahrhaft seltsame Entwicklung".

Am Sonntag hatten die USA und Japan den Druck auf die kommunistische Führung in Pjöngjang erhöht. US-Außenministerin Condoleezza Rice und Machimura hatten Nordkorea nachdrücklich zu weiteren Verhandlungen aufgefordert. Am 10. Februar hatte Nordkorea erstmals offiziell erklärt, Atomwaffen zu besitzen und zudem den Ausstieg aus den Sechser-Gesprächen verkündet. Die USA verlangen von dem Land den Verzicht auf Atomwaffen. (APA)

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