Schwere Kindheit lässt Mädchen schneller reifen

23. Februar 2005, 13:01
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Stress in jungen Jahren beschleunigt die Entwicklung mütterlicher Reaktionen

Washington - Junge Mädchen, die ohne ihren Vater zu Hause aufwachsen, kommen jüngsten Erkenntnissen zufolge schneller in die Pubertät und zeigen eher Interesse an Babys. Die gleiche Entwicklung fanden US-Forscher auch bei weiblichen Rhesusäffchen, berichtete Dario Maestripieri von der Universität Chicago auf einem großen Wissenschaftskongress in Washington. "Wir können jetzt nachweisen, dass Stress in jungen Jahren die Entwicklung mütterlicher Reaktionen beschleunigt, bei Menschen wie bei Affen", sagte der Forscher.

Diese Neigung dürfte mit dazu beitragen, dass Teenager, die unter schwierigen sozialen und finanziellen Bedingungen groß werden, eher schwanger werden als "behütete" Gleichaltrige, gab der Biologe zu bedenken. Bei jungen Rhesusaffen, die von ihren Müttern nur wenig oder unzuverlässig betreut wurden, maß Maestripieris Team erhöhte Stresshormon-Werte. Genau diese Tiere waren die ersten, die selbst Nachwuchs hatten, berichtete der Forscher auf dem Kongress des Amerikanischen Wissenschaftsverbandes AAAS.

Bei zwei anderen Arten, den winzigen Tamarin und den Marmoset, stieß ein Team um Wendy Saltzman von der Universität von Kalifornien in Riverside auf die Fähigkeit, ihre Fruchtbarkeit zu unterdrücken. Diese Weibchen sind unfruchtbar, so lange sie in untergeordneter Stellung unter einer domininierenden Artgenossin leben. "Sowie diese stirbt, sind sie im Handumdrehen trächtig", berichtete Saltzman auf dem Kongress. Sie begründet die hormonelle Kontrolle mit dem Unterbewusstsein der Schwächeren, dass ihr Nachwuchs von dem dominierenden Weibchen getötet würde. "Dieses Phänomen läßt uns ahnen, wie soziale und psychologische Faktoren auch die menschliche Fruchtbarkeit beeinflussen können." (APA/dpa)

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