Afghanistan auch nach Sturz der Taliban unter den ärmsten Ländern

23. Februar 2005, 15:06
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Niedrige Lebenserwartung, hohe Analphabetenrate und Gewalt

Kabul - Mehr als drei Jahre nach dem Ende der Taliban-Herrschaft in Afghanistan gehört das Land zu den ärmsten der Welt. Gleichzeitig hat Afghanistan eine verheerende Sicherheitsbilanz, eine erschreckend hohe Müttersterblichkeit und weit verbreiteten Analphabetismus zu beklagen, wie aus dem ersten UN-Bericht zur menschlichen Entwicklung in Afghanistan hervorgeht, der am Montag in Kabul vorgelegt wurde. Demnach liegt das Land an sechster Stelle der ärmsten Staaten der Erde.

Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 44,5 Jahre und damit mindestens 20 Jahre weniger als in den benachbarten zentralasiatischen Nationen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt in bitterer Armut, obwohl die Wirtschaft in den vergangenen drei Jahren um 25 bis 30 Prozent gewachsen ist.

Obwohl seit dem Ende der Taliban-Herrschaft Ende 2001 rund drei Millionen Kinder in die Schulen zurückkehren konnten, hat Afghanistan nach Einschätzung der UN-Experten "eines der schlechtesten Bildungssysteme der Welt" und eine der weltweit höchsten Analphabetismus-Raten: Nur 28,7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung können lesen.

Erschreckend ist dem Bericht zufolge auch die Lage der Frauen: Nur in Niger und Burkina Faso würden Frauen noch schlechter behandelt, urteilten die Verfasser. Statistisch stirbt demnach alle 30 Minuten eine Afghanin während oder an den Folgen einer Geburt, die Müttersterblichkeit liegt mehr als 60-mal höher als in entwickelten Staaten. Ein großer Teil der Frauen lebt in Armut, abgeschnitten von der Öffentlichkeit, ist Misshandlungen oder Vergewaltigung ausgesetzt.

Die Entwicklung Afghanistans zum wichtigsten Opiumproduzenten der Welt habe eine Kultur der Gewalt gefördert und zur Stärkung privater Milizen beigetragen, heißt es in dem UN-Bericht weiter. Körperliche Gewalt durch bewaffnete Gruppen dauere an, ebenso wie Folter durch Sicherheitskräfte, tödliche Angriffe durch Taliban, Geiselnahmen, kriminelle Banden und häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder. Von 300 befragten Kindern in Afghanistan hätten 72 Prozent einen Angehörigen verloren, nahezu alle hätten Gewalttaten miterlebt.

Der Bericht rief dazu auf, die "wichtigsten menschlichen Bedürfnisse und echten Sorgen des Volkes" wie Arbeitsplatzmangel, Gesundheitssystem, Bildung, Einkommen, Würde und Beteiligungsmöglichkeiten anzugehen. Dabei müsse internationale Finanzhilfe streng kontrolliert werden, um Korruption zu vermeiden und dafür zu sorgen, dass das Geld auch bei den Empfängern ankomme. (APA)

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    Wasserholen in Kabul

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