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Wien - Abu frisst Schnee, manchmal lässt er Wasser oder Kotbrocken fallen, die meiste Zeit steht er aber nur da. Abu macht, was Montagmorgen alle Elefanten in ihrem tief verschneiten Freigehege im Tiergarten Schönbrunn tun. Manchmal allerdings, fällt zumindest den wenigen Zoobesuchern auf, mache der vierjährige Bulle den Eindruck, als wolle er sich schamhaft hinter Sabi, seiner Mutter verstecken. Als ob er ein schlechtes Gewissen hätte.
Derartige Ausflüge in die Fabelwelt müssen häufig herhalten, wenn tierisches Verhalten menschliche Erklärungskraft übersteigt. Warum Abu vergangenen Sonntag seinen Pfleger, den 39-jährigen Gerd Kohl, attackiert und tödlich verletzt hat, bleibt ungewiss. Für Tiergartendirektor Helmut Pechlaner ist es "ein schicksalhaftes Ereignis", wie er Montag mit Tränen in den Augen vor versammelter Presse sagte. Gerd Kohl aus Deutschland sei nicht nur einer der besten Elefantenpfleger Europas gewesen, sondern auch ein guter Freund.
Konsequenzen
Nach dem zweiten tödlichen Zwischenfall im Tiergarten innerhalb von drei Jahren schloss Pechlaner persönliche Konsequenzen nicht aus. Wie berichtet, war 2002 eine junge Pflegerin von einem Jaguar getötet worden. Sie hatte bei der Futtergabe ihren Schlüsselbund im Innengehege vergessen und es verabsäumt, einen bereits geöffneten Schober zum Außengehege wieder zu schließen, als sie die Schlüssel holen wollte. "Wenn die Gesellschafter des Zoos meinen Rücktritt wollen, werde ich danach handeln", sagte Pechlaner. Der ressortzuständige Wirtschaftsminister Martin Bartenstein teilte wenig später mit, dass "dieser Schritt nicht zur Debatte steht".
Die Polizei bestätigte am Montag, dass es sich um einen Unglücksfall handle. "Es gibt auch kein erkennbares Versäumnis bei den Sicherheitsmaßnahmen", erklärte Max Edelbacher vom Kriminalkommissariat Süd.
"Pubertät"
An Sicherheitsmaßnahmen sollte der mittlerweile 1,6 Tonnen schwere Abu gerade gewöhnt werden. Obwohl so jung, habe der Elefant bereits Anzeichen eines "pubertierenden" Bullen gezeigt, sagte Vize-Zoodirektor und Elefantenfachmann Harald Schwammer. Hauptpfleger Gerd Kohl habe das Tier langsam von der Mutter entwöhnen wollen. Dazu gehöre, dass der Jungelefant, wie auch der ältere Bulle, jeden Tag separat von der Herde in einer Box abgeduscht und trainiert werde, Füße und Ohren herzuzeigen. Letzteres sei aus hygienischen und medizinischen Gründen unerlässlich und müsse ohne direkten Kontakt auf Befehl funktionieren. Diese Methode wird auch "Protected Contact" genannt.
Bei dem Procedere in der Box kam es Sonntag zu dem Unglück. Gerd Kohl, der Abu stets als "mein Kind" bezeichnet hatte, wurde plötzlich von diesem attackiert und regelrecht aufgespießt. Ein Kollege von Kohl stand nur wenige Meter entfernt, konnte aber nicht mehr rettend eingreifen. Der Augenzeuge stand auch Montag noch unter Schock.
Ähnliche Fälle
Laut Schwammer, der auch Präsident der "European Elephant Keeper and Manager Association" ist, kam es im Vorjahr europaweit zu vier ähnlichen Todesfällen. Er kann nicht ausschließen, dass sich Abu zum "Problemelefanten" entwickeln könnte. "Das Tier hat jetzt die Erfahrung, dass es sich gegen Menschen durchsetzten kann." Dass Abu auch nach seiner Geschlechtsreife in einigen Jahren in Schönbrunn bleiben wird, ist unwahrscheinlich. Zwei erwachsene Bullen in der kleinen Herde mit derzeit vier Kühen sind ein Risiko. (DER STANDARD – Printausgabe, 22.02.2005)
Warum RAU hier von einigen so angefeindet wird, versteh' ich nicht.
Er hat IMHO ein Thema angesprochen, dass nicht so unwichtig ist, nämlich 'unser' Naturverständnis.
Als Naturerlebnis wird vielfach eine Art Disneyland erwartet. Alles soll 'fun' sein und jederzeit zur eigenen Plaisir verfügbar mit einem gewissen 'Kick', aber echte Gefahrenpotentiale werden überhaupt nicht wahr genommen. Diese Beobachtung teilen z.B. auch Bergretter.
Echte Naturkenntnisse gehen hingegen zunehmend verloren.
So mancher, der mit dem Moutainbike irgendwo vorbeibrettelt, kann da am Wegesrand nicht mal Weizen von Gerste unterscheiden.
... hat sich, obwohl eingesperrt, wie ein ganz normales Wildtier verhalten und ein Mensch, der wohl zu wenig aufgepasst hat und das Wildtier aus Dummheit vermenschlicht hat (Zitat "mein Kind"), ist dabei zu Schaden gekommen. Ein Arbeitsunfall.
(Gefolgt von blödsinnigem Gefasel von "Problemelefant", "Rücktritt", u.s.w.)
Ein Mechaniker vergisst eine Hebebühne zu sichern und wird zerquetscht. Wer redet von "Problemhebebühne", "Rücktritt des Werkstättenleiters"?
Unfälle, auch tödliche, passieren, egal wie professionel, erfahren und vorsichtig man ist.
Schlimm für die direkt betroffenen Menschen.
Der Rest der ach so betroffenen Homo Sapiens sollte realisieren: Leben ist nun mal lebensgefährlich und Sterben ganz normal. Jeder tut es.
Dem kann ich insofern zustimmen, als ich damals im (Schein)Moral & (heuchlerische Pseudo-)Ethik Unterricht gefehlt habe.
War wegen Allergie gegen ebendiese vom Hausarzt befreit worden und konnte daher gar nicht besser aufpassen! ;-)
" ...bot Direktor Helmut Pechlaner seinen Rücktritt an, doch Wirtschaftsminister Bartenstein lehnte ab..."
Ein Unfähiger hält dem Anderen das Rückgrat steif!
Wenn's um Geld und Macht (Positionen)geht ,gehen sie auch über .......!
Wer war nun Schuld an den eklatanten Sicherheitsverfehlungen,
...der Portier...der Elefant...der Leopard...der Besucher...??
Sicher nicht der Chef!
gell steirerbua, den pechlaner kennst - den unfähigen! ich bin in wien aufgewachsen und kenne den zoo seit fast 40 jahren. der war noch nie so gut in schuss, auf so hohem niveau (leider auch beim preise) und weit über dem europäischen durchschnitt als in der zeit, seit pechlaner den job hat.
nur weil ein dir (und mir) nicht zum gesicht passender minister hinter ihm steht, ist er deshalb nicht schlecht.
wieviele zoodirektoren kennst du denn, die bei einem angriff auf einen pfleger selbst in den käfig steigen um zu helfen und verletzt werden? ich kenne keinen. lass die kirche mal lieber im dorf.
was macht der - nicht einmal anwesende - chef falsch, wenn der angestellte sich im käfig in ausübung seiner pflichten herumbewegt? oder glaubst du, dass die tiere auf verordnung hin zu nachsichtig und weich behandelt werden? natürlich kann und muß man genau hinschauen, wann und wo wirklich der boss mist gebaut oder geduldet hat, ist aber wirklich nicht immer so.
Auch einem Hund, v.a. aufsässigen Rüden, muss bisweilen unter Einsatz körperlicher Kraft klar gemacht werden, wer der Herr ist. Das aber nicht mit Schlägen, sondern in ritualisierten Rangkämpfen. Ja, ich raufe mit meinem Hund und obsiege regelmäßig. Ein harmloses, wenn dann nur für mich leicht schmerzhaftes Gerangel, womit ich ihm aber meine überlegene Körperstärke klar mache. Wie ich das bei einem Elefanten tun sollte, ist mir schleierhaft. Der ist nunmal um ein Vielfaches stärker als ich. Und jedes Aufbegehren des Rüsseltiers kann tödlich enden.
1. War das kein "Protected Contakt", sonst wäre eine solche Attacke nicht möglich.
2. Wenn man der Schaustellerei wegen Wildtiere einsperrt um aus dem Gaffbedürfnis der Besucher ein veritables Geschäft zu realisieren, der nimmt derartige Vorkommnisse, die natürlich nicht den Charakter des Unfalls haben, sondern simpel ein vorhersehbares Risiko darstellen, billigend in Kauf.
3. Wer vor laufenbder Kamera aber den Gesellschaftern - sollten sie es wollen - den überfälligen Rücktritt aus Respekt vor zwei toten Mitarbeitern in nur 3 Jahren zu Recht anbietet, der ist eben das PR Genie H. P. und macht locker daraus auch noch persönliches Kapital. Der solcher Art genötigte Bartenstein Minister stellte "überraschender" Weise fest, kein RücktritT!!
1. genau lesen und nachdenken hat noch keinem geschadet. Er sollte auf den "Protected Contact" vorbereitet werden.
2. zum Unfall: siehe Posting Firmian Maierhofer: recht hat er.
3. Soll in jeder Firma, in der ein oder zwei Mitarbeiter aufgrund von Unfällen sterben, gleich der Vorstand zurücktreten? Bitte zuerst eine Schuld beim Pechlaner suchen (und nicht finden), dann so was fordern. Wieso zeigt ein Rücktritt Respekt?
Zwischen dem schlagzeilenwirksamen "Ruecktrittsangebot" von sich aus und der klaren Antwort auf die Journalistenfrage, was er denn zu Ruektrittsforderungen sage ("Wenn es die Gesellschafter wuenschen") liegt immer noch ein Unterschied.
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