Bush und Chirac nennen sich nun Freunde

22. Februar 2005, 16:01
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Beziehungen Frankreich-USA bessern sich langsam

Wien - Seit eineinhalb Jahren "normalisieren" Jacques Chirac und George W. Bush schon ihr ramponiertes Verhältnis. Der Aufstieg vom Nullpunkt der französisch-amerikanischen Beziehungen im März 2003, als Paris die Fronde im UN-Sicherheitsrat anführte und Washington und London ihren Irakkrieg ohne Billigung der Vereinten Nationen begannen, war langsam und zog sich umso mehr in die Länge, als keiner der beiden Staatsmänner auch nur im Geringsten bereit war, von seinen früheren Positionen abzurücken.

Auf drei Fronten hatte der französische Präsident versucht, den Aufmarsch der USA gegen den Irak zu bremsen: Chirac belehrte die osteuropäischen Regierungen, die sich mit der Regierung Bush solidarisiert hatten ("Sie haben eine gute Gelegenheit zu schweigen verpasst ."); in der Nato blockierte Frankreich ein von den USA gewünschtes Ansuchen um militärische Hilfe für die Türkei; im UN-Sicherheitsrat ließ sich der damalige französische Außenminister Dominique de Villepin für seine Reden über das Völkerrecht feiern.

"Besonders enttäuschend", nannte Condoleezza Rice, heute US-Außenministerin, im Juni 2003 die Haltung der französischen Regierung. "Frankreich bestrafen, Deutschland ignorieren, Russland verzeihen", war ihre erklärte Faustformel. Frankreichs Luftstreitkräfte wurden von einem großen Manöver in Nevada ausgeladen, Dezember 2003 erhielt Chirac keine Einladung zum 200. Jahrestag des Lousiana Purchase nach New Orleans, einer Feier zum Verkauf der früheren französischen Kolonie an die USA.

Drei Indianerbücher

Beim G-8-Treffen im französischen Evian im Juni 2003 brachte Bush dann aber seinem französischen Kollegen drei in Wildleder eingebundene Indianerbücher mit; Chirac habe die "Geste der Freundschaft" gewürdigt, hieß es. Von einem Bildungsgeschenk Chiracs an US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde jedoch nie etwas bekannt. Dessen Äußerung von einem "alten Europa" zeuge von einem Mangel an Bildung, hatte Chirac einmal erklärt.

Ein Jahr später, als der US-Präsident zum 60. Jahrestag der Invasion in der Normandie anreiste, tauschten sie über Interviews erstmals Versöhnlichkeiten aus. Chirac sei ein Freund und "Freunde können unterschiedlicher Meinung sein", sagte Bush einem französischen Nachrichtenmagazin. "Trotz unserer unterschiedlichen Auffassungen gab es zwischen uns nie Streit in dieser Frage", behauptete Chirac über den Irakkrieg. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2005)

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