Dauer sammeln im Zeitsparkassenland: "Momo"

21. Februar 2005, 21:00
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Ein liebenswürdiger Spuk, den Regisseur Ronald Kuste am Theater der Jugend unfallfrei über die Bühne bringt

In Michael Endes Märchen Momo müssen die Müßiggänger auf einer italienischen Piazza, die im Renaissancetheater aprikosenfarben glänzt, ihre Lebenskontingente an Zeitguthaben an einen Ring von Zigarre paffenden Graumännern entrichten: Auf Vanessa Achilles-Broutins sehr sinnfälliger Bühne brechen sie wie Magritte-Figuren aus den Seitengassen hervor, und man vergisst, dass das wurzellose Momo-Mädchen - gespielt von Silvia Meisterle - mit seinen strahlend blauen Augen alle Bühnenpartner unterschiedslos gleich anfunkelt:

Den König Klingsor dieser insgesamt doch arg liebenswürdigen Aufführung, Meister Hora (Johannes Kaiser), dessen Schildkröte Kassiopeia (Barbara Spitz), die ihre Salatblätter vom eigenen Hut herunter frisst - Bilderbuchgestalten aus einer Zeit, als das Unterscheiden von Tätern und Opfern der entwicklungsfähigen Kinderpsyche noch geholfen hat. Ein liebenswürdiger Spuk, den Regisseur Ronald Kuste unfallfrei über die Bühne bringt. Der "1. graue Herr" Wilfried Rotts wäre als Kapitalistenfigur in einer "Heiligen Johanna der Schlachthöfe" übrigens brechtig aufgehoben! (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 22.02.2005)


Theater der Jugend
Renaissancetheater
1070 Wien
Neubaugasse 36
01/521 10
16 Uhr
  • Artikelbild
    foto: tdj
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