Deutschland: Zweiter Patient an Tollwut gestorben

27. Februar 2005, 21:29
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Die Deutsche Stiftung Organtransplantation hält die Symptome der Spenderin nach wie vor nicht für typisch für eine Tollwuterkrankung

Auch ein zweiter Empfänger der durch Tollwut verseuchten Spenderorgane ist tot. Die Ärzte in Hannoversch Münden verloren den Kampf um das Leben des 70-Jährigen, wie das Nephrologische Zentrum Niedersachsen am Montag mitteilte. Der Patient hatte eine Niere einer vermutlich in Indien mit Tollwut infizierten Organspenderin erhalten. Bereits am Samstag war in Hannover die Empfängerin der Lunge gestorben. Der Zustand des in Marburg behandelten dritten Tollwutpatienten ist unverändert kritisch.

Patienten wohlauf

Insgesamt haben sechs Patienten Organe dieser Spenderin erhalten. Den beiden Empfängern der Augenhornhäute in Mainz geht es laut Angaben der Klinikleitung vom Montag unverändert gut. Auch der Heidelberger Patient, dem die Leber der Spenderin eingesetzt worden war, zeigte weiter keine Symptome einer Tollwut.

Der 70-Jährige in Hannoversch Münden war den Angaben der Ärzte zufolge noch mit einer neuartigen Methode aus den USA behandelt worden. Aber alle Anstrengungen seien vergeblich gewesen, teilte die Klinikleitung mit.

Schnelltests

Schon am Sonntagabend, nach dem Tod der Patientin, der eine Lunge übertragen worden war, sagte der Herzchirurg Axel Haverich von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), man wolle die Entwicklung von Tollwut-Schnelltests bei Organtransplantationen vorantreiben. "Nach diesem tragischen Fall ist klar, das darf sich nicht wiederholen", hieß es. Die beteiligten Mediziner hätten sich aber nichts zuschulden kommen lassen und alle ärztlichen Vorschriften, die für Organtransplantationen gelten, eingehalten.

Haverich verwies auf den dramatischen Mangel an Organspendern und appellierte, dieser Fall dürfe nicht Anlass geben, bei der Organspende nachzulassen. Pro Jahr würden in Deutschland tausend Menschen während der Wartezeit auf ein Spenderorgan sterben.

Mehrfach behandelt Die Leichen der Verstorbenen sollen nun obduziert werden, um letzte Sicherheit über die Todesursache zu bekommen. Die Spenderin wurde laut Medienberichten schon in mehreren Kliniken mit tollwuttypischen Symptomen wie heftigen Kopfschmerzen und Angstzuständen behandelt, bevor sie in der Universitätsklinik Mainz starb.

Die Mainzer Staatsanwaltschaft prüft zurzeit, ob sie Ermittlungen aufnimmt. Behördensprecher Klaus Puderbach sagte, man habe eine Stellungnahme der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) angefordert und werde dann entscheiden. Es gebe noch keine Tendenz. Die DSO hält die Symptome der Frau nach wie vor nicht für tollwuttypisch. Sie passten auf eine Vielzahl von Erkrankungen, sagte DSO-Vorstand Günter Kirste. Alle ihre Organe seien vor der Transplantation auf Bakterien, Viren und Tumoren untersucht worden.

Organspende

Für Österreich und Deutschland existiert eine gesetzlichen Regelung zur Organspende und -transplantation, die sich in einem zentralen Punkt unterscheidet: In Österreich ist es zulässig, Verstorbenen Organe zu entnehmen, um durch deren Transplantation ein anderes Leben retten zu können. Die Entnahme ist dann unzulässig, wenn eine Erklärung vorliegt, mit der der Verstorbene - oder vor dessen Tod sein gesetzlicher Vertreter - eine Organspende ablehnt.

In Deutschland hingegen sollte möglichst jeder seine Entscheidung zur Frage einer Organspende schriftlich dokumentiert haben (Organspendeausweis). Kommt im Todesfall eine Organspende nach ärztlicher Beurteilung in Betracht, werden die nächsten Angehörigen befragt, ob sich der Verstorbene zur Organspende schriftlich oder mündlich erklärt hat. Ist ihnen nichts darüber bekannt, so sollen sie im Sinne des Verstorbenen entscheiden. Die Entscheidung ist nur zulässig, wenn die Angehörigen in den letzten zwei Jahren persönlichen Kontakt zum Verstorbenen hatten. Wenn die Entscheidung einer bestimmten Person übertragen wurde, so tritt diese an Stelle des nächsten Angehörigen. (dpa/red, DER STANDARD – Printausgabe, 22.02.2005)

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