Kritische Stimmen erwünscht

22. März 2005, 16:14
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Steirische Ausgabe des "Falter" startet am 9. März mit Geld der Landesregierung

"Urbane Orte gibt es überall", findet Thomas Wolkinger, ehemaliger Chef der Onlineversion der Kleinen Zeitung, der zusammen mit Franz Niegelhell (ehemals "Neue Zeit" und DER STANDARD) und zehn bis 15 freien Mitarbeitern den Steiermark-"Falter" produzieren wird. Und weil Urbanität nicht unbedingt von der Einwohnerzahl eines Ortes abhängig sei, glaubt Wolkinger auch, dass der "Falter" in der Steiermark landen wird.

Die erste Ausgabe erscheint am 9. März. Das 16- bis 32-seitige Heft wird österreichweit im Inneren des Wiener "Falter" zu finden sein, in der Steiermark wird es als Ummantelung des Wiener Produkts ausgetragen. Einen Grazer Teil ohne Wiener Stammblatt wird es also nicht geben.

Politik, Kultur, Stadtleben

Keine Grazer Stadtzeitung sei angedacht, sondern ein "Falter" für die Steiermark. "Besonders bei kulturellen Veranstaltungen werden wir den Blick auch über die Grenzen schweifen lassen. Also Richtung Ljubljana, Celje oder Zagreb. Aber es gibt auch super Klubs in Aflenz oder Leoben. Im Prinzip denken wir alles mit, was ungefähr im Umkreis von zweieinhalb Autostunden liegt", erklärt Wolkinger.

Politik, Kultur und Stadtleben werden auch im Grazer Büro am Jakominiplatz bestimmend sein, wobei der steirische Veranstaltungskalender etwa sechs Seiten umfassen soll.

Das Land Steiermark fördert das neue Medium mit Geldern aus der Kultur-Service-GesmbH (KSG), die in den Nachwehen des Grazer Kulturhauptstadtjahres 2003 gegründet wurde. Wie hoch diese Förderung ist, sagt Falter-Geschäftsführer Sigmar Schlager nicht kommentieren. Schlager ist aber überzeugt davon, dass der neue "Falter"-Spross, der in einer Auflage von 20.000 Exemplaren startet, die mit der KSG vereinbarten drei Jahre überleben wird: "Wir gehen davon aus, dass wir Erfolg haben werden."

Gefährliche Kniefälle

Weitere Expansion - etwa nach Oberösterreich oder in den Westen Österreichs - seien derzeit kein Thema. "Jetzt schauen wir einmal, wie es uns in der Steiermark geht", gibt sich Schlager abwartend.

Schon vor 20 Jahren versuchte der "Falter", in anderen Städten Fuß zu fassen, und scheiterte. Damals habe man sich wohl finanziell übernommen, weil man Salzburg, Linz und Graz zugleich anging, schätzt Wolkinger.

Dass die landeseigene Kultur-Service-Gesellschaft versuchen werde, inhaltlich Einfluss zu nehmen, schließt Wolkinger aus: "Es gibt eine klare Vereinbarung, in der es allein um den Standort Steiermark geht." Kniefälle vor der Landesregierung würden die Marke "Falter" gefährden. "Zudem", erklärt Wolkinger, "sind kritische Stimmen seitens des Landes sogar erwünscht". (Colette M. Schmidt/DER STANDARD; Printausgabe, 22.2.2005)

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Falter

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