"Es ist kalt geworden in diesem Haus"

14. März 2005, 15:49
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Betriebsrat lässt sich Streikbeschluss absegnen - Bis 1. April soll im Streit um das neue Dienstrecht aber weiterverhandelt werden

Wien - Wie ein Ameisenstrom zogen am Montag gegen 8 Uhr früh rund 2000 BA-CA-Mitarbeiter von der nahe gelegenen U-Bahn-Station ins Wiener Konferenzzentrum.

Ein wenig herrschte Betriebsausflugsstimmung; aber bevor es zu beschwingt wurde, bremste man sich dann doch ein: "Wenn wir jetzt gefilmt werden, dürfen wir nicht lachen, weil ein Streik ist ja nichts Lustiges", gab ein BA-CA-Mitarbeiter Benimmregeln aus.

Betriebsversammlung

Für Montag, 8 Uhr 15, hatte die Chefin des Zentralbetriebsrats, Hedwig Fuhrmann, zur Betriebsversammlung der größten Bank des Landes geladen. Zuvor war es im Dienstrechtsstreit nach einem erfolglosen Verhandlungsmarathon zu keinem glücklichen Ergebnis gekommen.

Im Gegenteil, jetzt gebe es "einen weit reichenden Dissens mit dem Vorstand", wie Fuhrmann bei der Begrüßung ihrer "lieben Kolleginnen und Kollegen" im Saal A des Konferenzzentrums sagte.

Mehr noch, "es geht derzeit auch um eine Machtfrage - nach dem Motto ,Teile und herrsche‘." Und, so Fuhrmann in ihrer Auslegung des Imperialismus-Mottos der alten Römer: "Wenn wir uns nicht teilen und auseinander dividieren lassen, wird man über uns nicht herrschen, nicht über unsere Köpfe hinweg einseitig entscheiden." Fuhrmann, traurig: "Es ist ziemlich kalt geworden in unserem Haus."

"Glück auf"

Heftiger Applaus der Anwesenden. Auf sie brachen nach einem herzlichen "Glück auf" von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch dreieinhalb wirklich lange Sitzungsstunden ohne Pause ("Weil die Befüllung des Saales so lange dauert") herein.

Dürsten musste wenigstens niemand; schließlich hatte man am Eingang, gleich neben der Kolporteurin von "Vorwärts, der sozialistischen Zeitung gegen Sozialabbau" Gratis-Mineralwasser ausfassen können.

Auch der Informationsdurst der Bankerversammlung - der jüngste Teilnehmer dürfte rund drei Monate alt gewesen sein - wurde gestillt. Zum ersten Mal seit Monaten redete Fuhrmann mit der Belegschaft Tacheles: woran die Verhandlungen am 15. Februar gescheitert seien und wie der BA-CA-Betriebsrat gedenke weiterzutun.

"Wir haben noch eine Chance"

Dass ein sofortiger Streik nicht infrage käme, ließ sich bereits nach den "Solidaritätsadressen" voraussagen. "Wir haben noch eine Chance, es geht nur gemeinsam, auch wenn andere etwas anderes glauben", machte Gewerkschafter Rudolf Hundstorfer die Marschrichtung klar.

Genauso kam es dann auch: Ohne Gegenstimme votierten die BA-CA-Mitarbeiter zu Ende der Veranstaltung für weitere Verhandlungen mit dem Vorstand. Geredet werden soll bis zum 1. April - jenem Tag, an dem das neue Dienstrecht dem ursprünglichen Zeitplan gemäß in Kraft treten sollte.

Kommt es bis dahin zu keiner Vereinbarung und setzt der BA-CA-Vorstand seine Pläne zur neuen Entlohnung, Arbeitszeit, Streichung des Definitivums und der Vorrückungen einseitig um, wird die Belegschaft zu "gewerkschaftlichen Maßnahmen, bis hin zum Streik" greifen.

Damit haben wir einen Streikbeschluss in der Lade", so Fuhrmann nach der Betriebsversammlung.

Vertragstreue

In der Zeit davor wurden die Betriebsräte nicht müde, zu betonen, worum es ihnen wirklich gehe: "nicht um die Beibehaltung von Privilegien, die wir gar nicht haben, sondern um Vertragstreue".

Schlag zwölf Uhr war die Versammlung aufgelöst. Den größten Applaus hatten die Mitarbeiter zuvor noch ihren Chefs gespendet. Bei der Absegnung ihres Beschlusses, der Vorstand möge "auf einen Teil seines Einkommens verzichten". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.02.2005)

  • Der Andrang war groß, die Empörung über den Vorstand auch: Die BA-CA-Mitarbeiter fanden sich zusammen, weil sie sich "nicht auseinander dividieren" lassen. Jetzt gibt es einen Streikbeschluss.
    foto: der standard/matthias cremer

    Der Andrang war groß, die Empörung über den Vorstand auch: Die BA-CA-Mitarbeiter fanden sich zusammen, weil sie sich "nicht auseinander dividieren" lassen. Jetzt gibt es einen Streikbeschluss.

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