Filter für dicke Linzer Luft

20. März 2005, 18:23
1 Posting

So wie Graz will auch Linz den Einbau von Rußpartikelfiltern bei Autos fördern. Dort wird der Feinstaub-Grenzwert rund 80-mal pro Jahr überschritten.

Ab April wird die Stadt 100 Euro für das Nachrüsten von Autos mit Dieselrußfiltern zuzahlen, kündigte die Linzer Vizebürgermeisterin Christine Dolezal (SPÖ) an. Denn obwohl der aktuelle Luftgütevergleich Linz eine überdurchschnittliche hohe Qualität bescheinigt, bleibt der Feinstaub ein Problem. So erreichte der Tagesmittelwert am 10. Februar in der City fast das Doppelte der erlaubten Menge der kanzerogenen Rußpartikel (50 Mikrogramm pro Kubikmeter).

Zu einem Drittel soll in Linzder Individualverkehr für diese Belastung verantwortlichsein. 215.000 Wegstrecken werden innerhalb des Stadtgebietes täglich mit dem Auto zurückgelegt, ergab eine Verkehrszählung 2001. Um die Situation in Linz zu entschärfen, setzt Dolezal auf das steirische Modell. Dort fördert das Land den Einbau von Partikelfiltern mit 300 Euro. Diese weitere finanzielle Unterstützung wünscht sich Dolezal auch für Oberösterreich.

Erst evaluieren

Grünen-Umweltlandesrat Rudi Anschober ist zurückhaltend. Er wolle das Grazer Modell evaluieren und dann entscheiden. Generell halte er nichts davon, wenn „jedes Bundesland ein eigenes Förderprogramm im Kfz-Bereich“ hat. Um das Problem Feinstaub effizient anzugehen, bedürfe es einer bundesweiten und keiner regionalen Lösung.

Anschobers Parteikollege, Verkehrsstadtrat Jürgen Himmelbauer hingegen kann Dolezals Vorschlag viel abgewinnen. Auch er forciert Subventionen für den Filtereinbau, bis die Autoindustrie dies serienmäßig anbietet. Gleichzeitig hat er aber noch weitere Vorschläge. Die Kurzparkzonen sollten in Linz ausgeweitet werden. Jeder Parkplatz in einer Kurzparkzone ist einer weniger für die Pendler. Und von denen gibt es pro Tag 117.000, die zur Arbeit mit dem Auto nach Linz fahren.

Bus, Bahn oder Fahrrad

Gleichzeitig will Himmelbauer die Pendler dazu bewegen, auf Bus, Bahn oder Fahrrad umzusteigen. Die Firma Sozialdata hat gemeinsam mit den Linz Linien und dem Verkehrsressort ein „individualisiertes Marketing“ gestartet. Dabei werden gezielt Personen über Alternativen zum Pkw informiert. Das Ergebnis werde in den nächsten Wochen vorliegen.

Doch aus Linz kann Dolezal auch Positives berichten. Im Vergleich zu den vorangehenden Jahren habe sich 2003 die Gesamtschadstoffbelastung von Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Feinstaub verbessert. Nur in St.Pölten lasse es sich freier atmen, am schlechtesten gehe es den Klagenfurtern. (ker, DER STANDARD – Printausgabe, 22.02.2005))

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.