Proteste in Italien wegen Einsparungen bei Dolmetschern

23. Februar 2005, 11:30
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Übersetzungen bei einzelnen Pressekonferenzen betroffen

Brüssel/Rom - Die EU-Kommission spart seit November bei der Verdolmetschung einzelner Pressekonferenzen. Während die Arbeit der Journalisten in Brüssel darunter nicht leidet, hat das jetzt in Italien zu Verstimmung geführt. Der italienische Botschafter in Brüssel, Rocco Cangelosi, reichte bei der EU-Kommission einen offiziellen Protestbrief ein und sprach von einer "eklatanten Verletzung der EU-Verträge".

Grundsätzlich wird die tägliche Pressekonferenz der EU-Kommission englisch und französisch abgehalten. Journalisten, die in Brüssel arbeiten, müssen zumindest eine der beiden Sprachen gut genug beherrschen, um nicht nur alles zu verstehen, sondern auch Fragen stellen zu können. Die Mehrheit der in Brüssel tätigen Journalisten kann beide Sprachen zumindest verstehen. Zusätzlich wird jeden Mittwoch, dem Tag an dem die EU-Kommission ihre wöchentliche Sitzung abhält, in alle 20 Amtssprachen der EU gedolmetscht. Wenn ein EU-Kommissar nach der Kommissionssitzung eine Pressekonferenz gibt, kann er dadurch nicht nur seine Muttersprache sprechen, er kann auch von allen Journalisten in der Amtssprache ihres Heimatlandes mit verfolgt werden. An dieser zehn Jahre alten Sitte - vorher war nur französisch zugelassen - ändert sich auch nichts.

Muttersprache des Kommissars

Allerdings wurden früher Pressekonferenzen von EU-Kommissaren an anderen Tagen als dem Mittwoch in alle damals elf Amtssprachen verdolmetscht. Seit November werden solche Pressekonferenzen hingegen nur mehr ins deutsche, französische, englische, die Muttersprache des Kommissars sowie die Sprache eines Landes, das vom behandelten Thema besonders betroffen ist, übertragen, erläuterte EU-Kommissionssprecherin Francoise Le Bail am Montag noch einmal die seit November praktizierte Veränderung. Eine Pressekonferenz über Fischerei werde also ins Spanische gedolmetscht.

Die EU-Kommission versuche an Mittwochen nur mehr eine Pressekonferenz abzuhalten, dafür mehr an anderen Tagen. Es sei aber unmöglich, täglich die volle Verdolmetschung in alle 20 Amtssprachen zu leisten, bat sie um Verständnis. Italien, ein Gründungsland der EU, werde durch die neuen Regeln "auf gravierende Weise diskriminiert", betonte Botschafter Cangelosi in seinem Schreiben. EU-Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso sei trotz Aufforderung Erklärungen schuldig geblieben. Der italienische Europaminister Rocco Buttiglione, der wegen seiner Ansichten zu Familie und Homosexualität als EU-Kommissar vom EU-Parlament abgelehnt worden war, nannte es "unannehmbar, dass die italienische Sprache derart herabgestuft wird". Der italienische EU-Justizkommissar Franco Frattini will von nun an bei seinen Pressekonferenzen nur noch Italienisch sprechen.

Polemik um "Herabstufung"

Die Polemik um die "Herabstufung" der italienischen Sprache in Brüssel nährte in Rom auch eine scharfe Polemik um den Bedeutungsverlust Italiens in der neuen EU-Kommission unter Barroso. In der Kommission Prodi war Italien nicht nur durch den EU-Kommissionschef Romano Prodi und EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti vertreten. Auch drei Sprecher der Kommission waren Italiener. Derzeit gibt es mit Frattini nur einen Italiener in der Kommission.

Grundsätzlich gelten in der EU Deutsch, Englisch und Französisch als die drei Arbeitssprachen, in die Sitzungen als Mindestanforderung gedolmetscht werden. (APA)

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