Giger zieht den Hut vor Walchhofer

28. Februar 2005, 09:47
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Der Herrenchef machte den Double-Gewinner von Garmisch bereits zum Nachfolger von Eberharter - Heftige "Bar-Tour" von Miller

Wien - Die ÖSV-Bilanz bei den Weltcup-Rennen der Herren in Garmisch-Partenkirchen war eindrucksvoll: drei Rennen, drei Siege. Herausragend dabei Michael Walchhofer, der beide Abfahrten auf der "Kandahar"-Strecke für sich entschied. Auf dem Papier steht sein Sieg im Disziplinen-Weltcup zwar noch nicht endgültig fest, Herrenchef Toni Giger adelte den Salzburger aber bereits jetzt zum "neuen Abfahrtskönig".

Kleine Kristallkugel fast sicher

"Für mich steht seit Garmisch endgültig fest, dass er der legitime Nachfolger von Stephan Eberharter ist. Er hat eine absolute Vormachtstellung eingenommen, ist fantastisch in Form, ist bei allen Verhältnissen komplett. Man muss einfach den Hut vor ihm ziehen", meinte Giger über den Zauchenseer, der nach seinem Double am Freitag und Samstag im Kampf um die "Kleine Kristallkugel" in der Abfahrt zwei Rennen vor Schluss (Kvitfjell, Lenzerheide) 143 Punkte Vorsprung auf Bode Miller (USA) aufweist.

Perfekt gemacht wurde die ÖSV-Bilanz in Garmisch durch den Super-G-Erfolg des Tirolers Christoph Gruber am Sonntag. "Ein wirklich tolles Wochenende", so Giger. Seine Mannen sind derzeit einfach nicht zu schlagen: die ÖSV-Herren haben durch Manfred Pranger (Slaloms in Kitzbühel und Schladming), Hermann Maier (Super G in Kitzbühel), Walchhofer (zwei Abfahrten in Garmisch) und Gruber (Super G in Garmisch) mittlerweile sechs Weltcup-Rennen in Folge für sich entschieden. In den vergangenen 13 Bewerben hat es nur drei Mal keinen ÖSV-Sieger gegeben.

Miller bis sechs Uhr früh auf der Piste

Dennoch hat im Kampf um den Gesamt-Weltcup weiterhin der Amerikaner Miller die Nase vorne. In Garmisch, wo Miller die Plätze 3, 4 und 4, belegte, baute der 27-Jährige seine Führung auf Benjamin Raich (Plätze 11, 17 und 10) auf 191 Punkte aus. Und das, obwohl Miller vor seinem vierten Platz im Super G die Nacht von Samstag auf Sonntag zum Tag gemacht hatte - der Doppelweltmeister von Bormio hatte im Garmischer "Peaches" bis in die frühen Morgenstunden mitgemischt.

Die Gerüchte, wonach Miller um 6:00 Uhr morgens ins Bett stieg und nach rund zwei Stunden Schlaf wieder Richtung Piste aufbrach, wollte und konnte auch Millers PR-Mann Marc Habermann nicht widerlegen. Zum Vergleich: der spätere Sieger Gruber war am Sonntagmorgen um 5:30 Uhr aufgewacht: "Ich konnte nicht mehr schlafen." Weltcup-Konkurrent Benni Raich lässt das Miller-Theater kalt: "Ich traue diesen Geschichten nicht so ganz, da ist sicher auch Taktik und Marketing dabei. Aber ich weiß, dass ich so etwas nicht machen würde."

Am kommenden Wochenende in Kranjska Gora hat Raich die große Chance, in den technischen Disziplinen RTL und Slalom zu kontern. "Zwei Siege sind möglich, aber rechnen darf und kann man mit so etwas einfach nicht", meinte Raich, der sich sicher ist, dass die endgültige Entscheidung erst beim Finale in der Lenzerheide fallen wird.

Garmisch-Doppelsieger Walchhofer wurde für seine Leistungen nicht nur von Giger gepriesen, sondern auch in seiner Heimat Altenmarkt/Zauchensee am Sonntagabend von 3.000 Menschen gefeiert. Seine Vormachtstellung in der Abfahrt ist der Lohn harter Trainingsarbeit, wie Giger versicherte. "So etwas muss man sich hart erarbeiten. Und man braucht die Routine, um die Strecken zu kennen und zu wissen, in welchen Situationen man riskieren und attackieren kann. Das alles hat er jetzt." (APA)

  • Michael Walchhofer tritt wahrscheinlich in die Fußstapfen von "Steff" Eberharter.
    foto:epa/weiken

    Michael Walchhofer tritt wahrscheinlich in die Fußstapfen von "Steff" Eberharter.

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