Hollywood verliert an Reiz für Game-Industrie

13. März 2005, 16:16
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Spiele auf Basis von Filmen werden zunehmend ein Risiko für Softwarehersteller

Das einst euphorische Verhältnis zwischen Hollywood und der boomenden Game-Industrie ist in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Während noch vor wenigen Jahren die Game-Rechte für die "Matrix-Trilogie" für zehn Millionen Dollar verkauft wurden, zahlte die kleine Softwareschmiede Bits Studios weniger als eine Million Dollar für "Constantine", den neuen Film von Matrix-Hauptdarsteller Keanu Reeves. Grund dafür ist die Tatsache, dass die meisten Computer- und Konsolenspiele auf Basis von großen Kinohits in den vergangenen Jahren floppten, berichtet die New York Times (NYT) am Montag.

Beispielhaft

"Spiderman 2" von Activision war 2004 die einzige Ausnahme. Das Game auf Basis des Films und der Marvel-Comics ist mit mehr als 2,5 Millionen verkauften Kopien das einzige Spiel unter den Top-10 der US-Game-Charts. Auch der große Marketingrummel rund um einen großen Filmstart kann ein Spiel nicht pushen. Damit Games zum Verkaufsschlager werden müssen vor allem die Spielelemente gut sein. Das zeigt auch der umgekehrte Fall von "Riddick - Chronik eines Kriegers": Der Film war ein Flop, das Game verkaufte sich allerdings recht gut.

Erkennen

Diese Erkenntnis hat das Verhältnis zwischen Hollywood und der Game-Industrie etwas abgekühlt. Vor wenigen Jahren hoffte Hollywood noch auf lukrative Zusatzeinnahmen aus den Game-Lizenzen. Heute reißen sich die Gamestudios laut NYT aber nicht mehr um die Rechte an den Filmen, weil es schwierig ist ein profitables Game auf Basis eines Films zu schaffen. Zu den Kosten für die Filmrechte müssen die Gamestudios rund zehn Millionen Dollar Produktionskosten für ein aufwändiges Spiel sowie noch einmal Marketingausgaben in beinahe der gleichen Höhe rechnen. Dadurch müssen von einem derartigen Spiel mehr als 500.000 Kopien verkauft werden, damit Gewinne ins Haus wandern.

Knapp

Hinzu kommt der inzwischen relativ lange Entwicklungszeitraum für ein hochqualitatives Computerspiel. Mit 18 bis 24 Monaten ist die Entwicklungsphase eines Games bereits länger als die eines Films. Dadurch muss mit dem Game bereits in der Frühphase der Filmplanung begonnen oder auf den gleichzeitigen Start mit dem Film verzichtet werden. Bei einem späteren Start des Games vergibt das Studio aber wichtige Potenziale. Daher sehen Spielstudios Filme zunehmend als zusätzlichen Joker, so die NYT. Ein Joker ist nützlich, wenn man ihn hat, aber es ist besser nicht darauf zu warten und sich auf das eigene Blatt zu verlassen. (pte)

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