Produktidee für das Schaufenster

27. Februar 2005, 20:26
posten

Der Pedalergometer: Ein Innsbrucker Medizinerteam bastelt an einer nicht invasiven Methode zur Diagnose von Durchblutungs-Störungen

Innsbruck - Immer wieder bleiben sie stehen. Die Waden schmerzen höllisch, aber sie tun so, als ob sie nur die Waren in den Schaufenstern betrachten würden. Klingt der Schmerz ab, gehen sie weiter - bis sie sich das nächste Mal den Auslagen zuwenden.

Die so genannte Schaufensterkrankheit ist eine Zivilisationskrankheit, von der viele Menschen ab Ende vierzig betroffen sind. Die Diagnose kann durch eine Gefäßuntersuchung gestellt werden. Bei Patienten, die sowohl eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung, wie zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall, als auch eine arterielle Durchblutungsstörung der Beine haben, ist jedoch die Ursache der Beschwerden oft schwierig festzustellen. Wie aber ist hier schnell, billig und möglichst nicht invasiv eine Klärung möglich?

Weltweit behilft man sich mit einem Laufband: Kann der Patient länger als 200 Meter laufen, wird nicht operiert. Da das Schmerzempfinden aber individuell verschieden ist, lässt diese Methode viele Fragen offen, nicht zuletzt die nach der Ursache. Der Radiologe Michael Schocke und der Gefäßchirurg Andreas Greiner von der Universitätsklinik Innsbruck versuchen mit einem interdisziplinären Team eine neuartige Diagnosemethode zu entwickeln. Bei entsprechender Muskelbelastung tritt der Stoffwechsel zunächst in eine anaerobe Phase. Ein Stoff namens Phosphokreatin, die wichtigste Energiereserve im Muskel, begleicht die "Sauerstoffschuld" und wird selbst sofort wieder rephosphoryliert, wenn die Sauerstoffzufuhr der Belastung angepasst wird. Bei Gefäßproblemen hingegen kann nicht adäquat nachreguliert werden, die ungenügende Sauerstoffzufuhr im Muskel wird zu einem schmerzhaften Problem. Die Magnetresonanzspektroskopie (siehe Wissen) kann für eine Phosphorspektroskopie benutzt werden und den Gehalt des Phosphokreatin ebenso wie den pH-Wert im Muskel bestimmen.

Nach mehreren Studien mit gesunden Probanden und simulierten Gefäßproblemen nahmen Ende letzten Jahres erstmals mehrere Patienten an den Untersuchungen teil. Die Entwicklung ist also noch in einem frühen Stadium, aber Schocke hofft, diese Methode im klinischen Alltag zu etablieren. Teure und für den Organismus belastende Operationen sollen mit dieser Methode vermieden werden. Wird etwa eine Durchblutungsstörung konstatiert, entfällt somit der Wirbelsäuleneingriff.

Die Innsbrucker Gruppe hat nun, ausgehend von einem herkömmlichen Belastungsgerät, einen Pedalergometer entwickelt und ist gerade dabei, ein Patent darauf anzumelden. Die damit verbundene Geschäftsidee, also der Vertrieb eines entsprechenden Gerätes, wurde Ende Jänner als eine von fünf innovativen Geschäftsideen in der ersten Phase des von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) initiierten internationalen Businessplanwettbewerbes für Life-Sciences "Best of Biotech" ausgezeichnet. "Will man forschen, muss man sich andere Finanzquellen suchen. Die Kliniken haben dafür kaum Geld", sagt Schocke. Forschung findet ohnehin in der Freizeit statt, da der Klinikalltag dafür keine Zeit lässt. Der Radiologe Schocke arbeitet mit Neurologen, Orthopäden, Gefäßchirurgen, Sportmedizinern und Technikern zusammen. "Forschung ist heute interdisziplinär", gibt sich Schocke überzeugt und fügt hinzu: "In der Radiologie gehört ein wenig Bastelei dazu." (Oliver Hochadel/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Pedalergometer belastet genau die Muskeln, die ein Fußgänger belastet: Der Stoffwechsel wird in Gang gesetzt, bei Kranken ist die Sauerstoffzufuhr ungenügend.

Share if you care.