"Featuritis" macht ratlos

27. Februar 2005, 20:26
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Was User erwarten und was sie erleben, sind oft zwei Paar Schuhe

"Eigentlich", sagt der Freizeitforscher Peter Zellmann, "ist alles ein Produkt." Ob nun Handy, Videorecorder oder Urlaub am Bauernhof. "Und alles, was man beim Konsum dieser Produkte erlebt, ist User-Experience." Ein Erlebnis, so Zellmann, das man als Produktgestalter nicht vorbestimmen könne, weil es ganz subjektiv im User entstehe. "Man kann nur die Rahmenbedingungen für ein positives Erlebnis schaffen." Und hoffen, die Erwartungshaltungen des Kunden zu erfüllen - die zwar immer leichter analysiert werden können, aber noch nicht zu hundert Prozent vorhersehbar seien.

Zum Glück, meinte der Filmemacher Georg Riha, bekannt durch "Universum"-Filme, vergangene Woche während einer vom Forschungszentrum Cure veranstalteten Diskussion zum Thema User-Experience. Produktgestalter seien ab einem bestimmten Zeitpunkt ratlos. "Das schafft ihnen Platz für Experimente." Freilich könnten sie am Markt somit auch scheitern. Für Riha ein im Vergleich zur Durchschaubarkeit der Kunden vertretbares Risiko.

Riha kritisierte die Unbenutzbarkeit vieler Haushaltselektronikgeräte, die nur ein negatives Benutzererlebnis zur Folge haben könnten. Bei der Filmproduktion benütze er High-Definition-Maschinen, die absurderweise "klarer definiert" seien. Man habe aber zu viele Angebote auf "privaten" Geräten.

Es herrsche eine "Featuritis", meinte Werner Reiter von der Mobilkom. Andreas Ebert von Microsoft Österreich entgegnete, bezogen auf Word und die Kritik aus dem Publikum, man brauche nur zehn bis 15 Prozent dieses Angebots, jeder nütze andere zehn bis 15 Prozent. Da man für eine breitere Zielgruppe produziere, müsse man derart viele Funktionen anbieten - um vielen User-Erwartungen gerecht zu werden. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2005)

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