IFES-Studie: Bildung statt Märchenprinz

23. Februar 2005, 11:46
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Mädchen von heute ist eine abgeschlossene Ausbildung das Wichtigste. 50 Prozent wollen Kinder und Familie - aber nur, wenn das mit dem Beruf vereinbar ist

Wien - "Für acht von zehn Mädchen ist eine abgeschlossene Ausbildung das Wichtigste - und der Traumprinz ist ihnen so was von Wurst", berichtet Imma Palme vom Sozialforschungsinstitut Ifes. "Das ist ein Paradigmenwechsel, den man nicht unterschätzen darf. Da ist ein sehr tief gehender gesellschaftlicher Wechsel im Gange." Herausgefunden hat dies Palme im Zuge ihrer Arbeit für die jüngste Mädchenstudie, die sie im Auftrag der Stadt Wien erstellt hat.

Die weiteren wichtigsten Ergebnisse, die am Montag von der Wiener Frauenstadträtin Sonja Wehsely (SP) präsentiert wurden: Für 70 Prozent der 500 befragten Mädchen zwischen zwölf und 18 Jahren ist Unabhängigkeit sehr wichtig. "Kinder bekommen" ist für jede Zweite ein wichtiges Ziel im Leben - "aber 50 Prozent sagen auch, dass ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr wichtig ist", betont Wehsely.

Zu bescheiden

Bei der Berufswahl stehen bei drei Viertel der Mädchen "Spaß, Freude und Selbstverwirklichung" im Vordergrund. Karriere und gute Verdienstchancen stehen allerdings eher im Hintergrund, das ist nur für 37 Prozent wirklich wichtig. Ein Punkt, bei dem Wehsely einhaken will: "Da sollten Mädchen weniger bescheiden sein und das verlangen, was ihnen zusteht. Wenn Frauen derzeit im Schnitt mit 18 Prozent weniger Einkommen ins Berufsleben einsteigen, holen sie das nie wieder auf."

Auffällig ist auch, dass sich 96 Prozent als sehr oder zumindest eher "aufmerksam und hilfsbereit" einschätzen. Allerdings: Mädchen, die technische Berufe einschlagen, schreiben sich diese Eigenschaft weniger zu. Und: "Von den wenigen Mädchen, die einen technischen Beruf wählen, haben viele einen Migrationshintergrund", so Palme. Offensichtlich seien die Mädchen der zweiten und dritten Zuwanderergeneration "grundsätzlich cooler und tougher, mussten sich von klein auf durchsetzen". Ein Punkt, den Wehsely noch genauer analysieren möchte.

Was das Freizeitverhalten betrifft, fällt auf, dass immerhin 47 Prozent der Mädchen Sport sehr wichtig ist, nur zehn Prozent geben den Churchill: "no sports". Auf der anderen Seite sind die Mädchen aber in Turnvereinen die deutliche Minderheit. Hier sollen noch heuer vor allem im Bereich Laufen neue Akzente gesetzt werden. (frei, DER STANDARD, Print, 22.2.2005)

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