Zentralrat der Juden: Der Papst hat nicht begriffen

21. Februar 2005, 12:11
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Spiegel: "Es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einem fabrikmäßigen Völkermord und dem, was Frauen mit ihrem Körper tun"

Berlin - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat Papst Johannes Paul II. wegen Aussagen in dessen neuem Buch heftig kritisiert. Der "Netzeitung" (Samstag) sagte Spiegel, "die Spitze der Katholischen Kirche" habe "nicht begriffen", dass man den Holocaust nicht mit Abtreibung vergleichen könne. In dem am 23. Februar erscheinenden Papstbuch "Erinnerung und Identität - Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden" sei laut Spiegel "ein unzulässiger Vergleich" hergestellt worden.

In dem Buch heißt es, zwar habe die Vernichtung der Juden nach dem Sturz des Nazi-Regimes aufgehört. "Was jedoch fortdauert, ist die legale Vernichtung gezeugter, aber noch ungeborener menschlicher Wesen." Dazu sagte Spiegel, dass es "einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen einem fabrikmäßigen Völkermord und dem, was Frauen mit ihrem Körper tun".

Ähnlicher Vergleich auf Kardinalsebene

Am Freitag hatte Spiegel bereits den Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner kritisiert. Dieser hatte im Jänner mit einem ähnlichen Vergleich in Deutschland heftige Proteste ausgelöst und sich später dafür entschuldigt. In einer Predigt am Dreikönigstag hatte Meisner gesagt: "Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht." Spiegel hatte Meisner daraufhin vorgeworfen, mit einem solchen Vergleich Millionen von Holocaust-Opfern zu beleidigen. (APA/dpa)

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