Amoklauf in OÖ: Noch immer kein Motiv

24. Februar 2005, 15:13
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48-Jähriger hatte auf Nachbarn geschossen - Befragung von Tatverdächtigem und Mutter vorerst nicht möglich

Linz - Nach dem Amoklauf im Bezirk Grieskirchen hat es auch am Nachmittag keinen neuen Erkenntnisse gegeben. Wie Sicherheitsdirektor Alois Lißl erklärte, könnten auf Grund ärztlicher Anordnung vorerst weder der Tatverdächtige noch seine Mutter befragt werden.

Der 48-jährige Landwirt hatte auf seinen Nachbarn, den 71-jährigen Lebensgefährten seiner Tante, geschossen, als dieser sein Haus betrat. Der Pensionist könne sich nicht erklären, warum er ihn angeschrien und ohne Vorwarnung Schüsse abgegeben habe, so Lißl. Der Landwirt habe sich zwar leicht verändert, seitdem seine Mutter im Krankenhaus sei, und sich Sorgen um sie gemacht, erklärte der 71-Jährige. Er habe aber bis zuletzt ein gutes Einvernehmen mit ihm gehabt.

"Psychische Ausnahmesituation"

Der 48-Jährige, der sich von der Tat völlig distanziert habe, habe sich laut einem Mediziner in einer "psychischen Ausnahmesituation" befunden, berichtete Lißl. In einer ersten Befragung habe er immer wieder betont, Angst gehabt zu haben. Dass er mit dem Nachbarn, den er mit zwei Schüssen schwer verletzt hatte, früher einmal eine Auseinandersetzung gehabt habe, sei nicht bekannt. Der Landwirt, der in die Landesnervenklinik Wagner-Jauregg eingeliefert wurde, sei nach Aussage seiner Mutter auch nicht selbstmordgefährdet gewesen.

Täter verbarrikadierte sich

Er habe jedenfalls Vorbereitungen getroffen, um sich gegen einen eventuellen Zugriff zu wehren. In allen Räumen des Hauses seien Messer und Taschenlampen gefunden worden, so der Sicherheitsdirektor. Auch die vordere und hintere Eingangstür seien mit Möbeln und anderen Gegenständen verbarrikadiert worden. Das Flobertgewehr, für das kein Waffenschein benötigt werde, sei aber die einzige Schusswaffe, die sichergestellt worden sei.

Ermittlungen wegen zweifachen Mordversuchs

Es müsse nun geklärt werden, wie viele Schüsse insgesamt abgegeben worden seien und in welche Richtungen. Die Spurenaufnahme werde heute, Montag, fortgesetzt, erklärte Lißl. Gegen den Tatverdächtigen werde wegen zweifachen Mordversuchs und zweifachen Widerstands gegen die Staatsgewalt ermittelt.

Nachbar angeschossen

Der Amoklauf hatte sich in der Nacht auf Montag ereignet. Der Mutter des Landwirtes, hatte sich Sorgen gemacht, weil er sie nicht im Krankenhaus besucht hatte. Sie bat einen 71-jährigen Nachbarn nachzusehen, ob alles in Ordnung sei. Dieser ging mit Gendarmeriebeamten zum Hof des 48-Jährigen. Sie fanden die Eingangstür offen und betraten das Haus. Als sie in den Vorraum kamen, eröffnete der Landwirt das Feuer. Der Nachbar wurde an der Hand und im Bauchbereich getroffen und von den Gendarmen geborgen.

Cobra-Einsatz

Die Spezialeinheit Cobra übernahm den Fall. Das Areal wurde weiträumig abgeriegelt, das Gebäude umstellt. Die Beamten versuchten, mit dem Amokläufer über das Telefon zu verhandeln. Gegen 23.20 Uhr meldete er sich nicht mehr, ein Zugriff wurde angeordnet. Die Beamten stürmten das Haus, der Mann eröffnete sofort das Feuer. Dabei wurde ein Cobra-Mitglied von einem Schuss am Arm verletzt.

Die Männer gelangten durch die Rückseite des Gebäudes ins Innere und stellten den Landwirt. Er gab aber nicht auf, flüchtete in den Keller, feuerte von dort weiter auf die Beamten und hielt sie so von sich ab. Ein Diensthund konnte ihn schließlich überwältigen. (APA)

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