Heimat, bist du ohne Töchter?

20. Februar 2005, 23:01
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Der sehr männliche Auftritt des ÖSV und die Uneinigkeit über den Umgang mit jungen Langläuferinnen

Frage: Was unterscheidet Österreich von dreißig anderen WM-Nationen in Oberstdorf? Antwort: Die Tatsache, dass sich im WM-Aufgebot keine einzige Dame findet.

Nun sind das Skispringen und nota bene das Kombinieren auf WM-Ebene seit jeher reine Männersache, doch haben die Österreicher darüber hinaus nicht eine Langläuferin an den Start gebracht. "Es hat sich", sagt Markus Gandler, der für Langlauf (und Biathlon) zuständige ÖSV-Direktor, "nichts entwickelt. Vielleicht hat man damals zu wenig Geld in die Hand genommen." Damals, vor fünfzehn bis zwanzig Jahren, waren einige Österreicherinnen talentiert, damals blieben fast alle auf der Strecke, damals war Gandler selbst noch aktiv. "Jetzt", sagt er, "kriegen bei uns alle die gleichen Chancen, ob Buam oder Madln."

Maria Theurl hat 1999 in der Ramsau eine WM-Bronzemedaille gewonnen, sie betreute anschließend zwei Jahre lang ein Damenprojekt im ÖSV, dieses Projekt wurde ad acta gelegt. Gandler: "Es gibt eine Handvoll Schülerinnen, aber die wohnen verstreut. Die kannst du nicht jede Woche zueinander bringen." Theurl sagt, das Projekt habe gut funktioniert, man habe die Mädchen an manchen Wochenende und in den Ferien versammelt. "Das waren immerhin ein paar gemeinsame Trainingstage, man hat sich gegenseitig motiviert."

Der ÖSV ist männlich dominiert wie die katholische Kirche. Unter 16 Mitgliedern der ÖSV-Präsidentenkonferenz findet sich wie unter 28 Fachreferenten oder im siebenköpfigen ÖSV-Vorstand keine einzige Frau. Unter 36 ÖSV-Delegierten im FIS-Komitee tauchen Theurl (Subkomitee für Damen-Langlauf) und Stefanie Schuster (Damen alpin) auf. Im ÖSV-Heft 2004/05 sind neunzig Trainer, ist aber keine einzige Trainerin angeführt.

Laut Theurl sind langlaufende Damen im ÖSV "immer a bisserl mitgeschwommen". Barbara Feichtner, 22 Jahre alt, hat im Sprint-Weltcup als 18. schon gepunktet, die WM kam laut Gandler zu früh für sie. "Keine Aussicht auf einen Top-30-Platz." Theurl wird das Gefühl nicht los, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Tatsächlich hat der beste ÖSV-Langläufer im ersten WM-Bewerb genau Rang 30 belegt. Theurl: "Wir sind momentan nicht besser. Doch auch Türkinnen oder Australierinnen laufen bei der WM ohne Chancen auf Spitzenplätze mit. Eine WM-Teilnahme kann motivieren."

"Schwierige Lage"

Gandler will mit den Vereinen der Mädchen kooperieren. Trainingsgemeinschaften von Mädchen und Burschen stellen für ihn kein Problem dar. Bei Schüler- und Jugendmeisterschaften gibt es Jahrgänge mit vierzig bis fünfzig Burschen, aber kaum Jahrgänge mit mehr als zehn Mädchen. "Schwierig" sei die Lage, sagt Gandler, und er sagt, dass er mehr Mädchen fürs Langlaufen begeistern will. Denn: "Bei uns wird nicht diskriminiert." Für Maria Theurl liegt zu wenig Augenmerk auf dem sozialen Aspekt. "Wenn du wie das fünfte Rad am Wagen behandelt wirst, ist das auf Dauer demotivierend." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 21. Februar 2005)

Fritz Neumann aus Oberstdorf

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