Kornexl: "Das geht auf keine Kuhhaut"

21. Mai 2005, 21:34
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Bregenz-Coach möchte Klarheit darüber, ob einige seiner Spieler in den Wettskandal verwickelt sind - Er geht nicht davon aus - "Obwohl man in Menschen nie reinschauen kann"

Bregenz/Wien - In der 51. Minute hat sich Trainer Roland Kornexl eigentlich "nichts gedacht". Es war Samstagabend im recht leeren Tivoli, Bregenz führte gegen Tirol mit 1:0, als Goalie Almir Tolja die Beine nicht zusammengebracht hat. Stanglpass von Alfred Hörtnagl, der Ball berührte den rechten Knöchel des Torwarts, der Rollweg wurde deshalb um 90 Prozent, also radikal, verändert. Es war ein typisches Steirertor und das 1:1. Tirol sollte das Match mit 3:2 gewinnen und Bregenz sich am Tabellenende festsetzen. "Dabei waren wir das bessere Team", sagte Kornexl und verwies auf neutrale Beobachter, zum Beispiel Journalisten.

Der Bosnier Tolja wird verdächtigt, in den deutschen (österreichischen?) Wettskandal verwickelt zu sein. Er und vier seiner Mannschaftskollegen gaben eidesstattliche Erklärungen ab, für Kornexl gilt die Unschuldsvermutung. Stunden vor dem Match las man in der Neuen Vorarlberger Tageszeitung weitere Vorwürfe, Tolja, Asmir Ikanovic und Dejan Grabic sollen 60.000 Euro kassiert haben, um drei Partien auszuschütten. "Eine Frechheit, ein Hetzjagd, eine Vorverurteilung. Das geht auf keine Kuhhaut", sagt Kornexl. Logischerweise hat er sich mit seinem Goalie darüber unterhalten und ihn gefragt, ob er sich einen Einsatz zutraut. "Die anderen beiden waren aus sportlichen Gründen kein Thema. Er meinte, jetzt erst recht. Diese Coolness kann nicht gespielt sein, das wäre sonst äußerst pervers." Tolja habe sicherlich gepatzt. "Aber die Schuld ausschließlich ihm zu geben, wäre unfair. Wäre das Zweikampfverhalten davor besser gewesen, hätte er nicht eingreifen müssen."

Kornexl sieht es als "meine Aufgabe, den Leuten den Rücken zu stärken. Ich muss ihnen glauben, auch weil mir nichts anderes übrig bleibt." Tolja schildert er als "ruhigen, leicht introvertierten, besonnen Menschen. Er ist keine Plaudertasche. Aber ich halte ihn für absolut gutmütig. Was er nun durchmacht, ist Irrsinn. Es wird mit den Fingern auf ihn gezeigt, Toljas Familie wird geschnitten, seine Frau traut sich nicht mehr aus dem Haus. Das ist eine Hexenjagd."

Ganz alleine

Ein normales Arbeiten ist laut Kornexl momentan unmöglich. "Obwohl der Charakter der Mannschaft vorbildhaft ist." Erst am 7. Februar wurde er zum Chef befördert, der Vertrag mit Vorgänger Regi van Acker war von Präsident Hans Grill gelöst worden, die genauen Umstände sind vermutlich nicht einmal den Bregenzern klar. Der 35-jährige Kornexl kennt die hiesigen Verhältnisse, er ist quasi ein Urgestein, kickte hier 15 Jahre lang. "Wir sind ein kleiner Verein mit wenig Geld. Es hängt alles von Grill ab, er steht alleine auf weiter Flur. Er ist 74, kein einfacher Mensch, man muss bei ihm eine dicke Haut haben. Aber er ist ein grader Michl." Die Gehälter würden recht pünktlich ausbezahlt. "Im Jänner gab es zehn Tage Verspätung."

Der Verein besitze keine "Topinfrastruktur. Ein Umdenken muss man sich leisten können. Natürlich wäre es besser, junge österreichische Spieler zu forcieren. Aber Legionäre sind billiger, wir können uns den Luxus einer Ausbildung leider nicht gönnen. Und Sponsoren sind ausgepresst wie Zitronen."

Kornexl lechzt nach Klarheit. "Egal in welche Richtung. Man kann in Menschen nicht reinschauen. Ich kann nicht schwören, dass es keine Verwicklungen gibt." Die Sache gehöre einem Ende zugeführt. "Man braucht die Diagnose. Denn erst dann kann die Behandlung beginnen." Am Samstag kommt Rapid nach Bregenz. Kornexl sagt: "Ich kann nur das Jetzt-erst-recht-Prinzip strapazieren." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 21. Februar 2005, Christian Hackl)

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    Roland Kornexl: "Wir sind ein kleiner Verein mit wenig Geld."

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