Porträt: Überraschungssieger Peter Harry Carstensen

21. Februar 2005, 00:53
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Bodenständiger Friese hofft auf Regierungsübernahme in Kiel

Berlin - Peter Harry Carstensen ist der Überraschungssieger der Wahl in Schleswig-Holstein: "Das ist ein ausgesprochen guter Tag für die CDU", rief der Spitzenkandidat unter dem Jubel seiner Anhänger, nachdem die ersten Hochrechnungen die Christdemokraten als stärkste Kraft im nördlichsten Bundesland auswiesen. Dabei hatte sich der 57-jährige Landwirtschaftsexperte mit der Seebärenstatur im Wahlkampf gegen die beliebte Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) keinen leichten Stand. Jetzt kann er sich Hoffnungen auf den Posten des Regierungschefs an der Förde machen.

In Nordfriesland geboren, ist Carstensen eng mit seiner Heimat verbunden. Schon sein friesischer Zungenschlag weist ihn als jemanden aus, der zwischen Nord- und Ostsee zu Hause ist. Auch in Sachen Lebensfreude steht der 57-Jährige der SPD-Frau in nichts nach. Genau wie sie ist Carstensen immer für ein Schwätzchen am Gartenzaun zu haben. Er gibt sich fröhlich, unkompliziert und kann auch mal über sich selbst lachen. Seine stämmige Statur und der weiße Bart vermitteln Bodenständigkeit.

Mit dem "Menscheln" ging im Wahlkampf aber auch manches daneben: Quasi öffentlich wandelte der Witwer auf Freiersfüßen und vertraute der "Bild"-Zeitung an, dass er sich gerne wieder verlieben würde: "Das muss Bautz machen". Fortan machte sich die Zeitung auf die Suche nach einer potenziellen First-Lady. Was von der Opposition als "Brautschau" belächelt wurde, war Parteifreunden einfach nur peinlich.

Auch bei der Vorstellung seines Schattenkabinetts im August 2004 tappte Carstensen ins Fettnäpfchen. Einige Posten waren gar nicht besetzt, von anderen rückten die Nominierten ab. Die Frauen hätte der CDU-Spitzenkandidat bei der Präsentation seines Teams fast vergessen, was nicht nur bei den Schleswig-Holsteinerinnen nicht besonders gut ankam. Nicht zuletzt auch wegen Querelen in der Bundes-CDU schmolz der Vorsprung auf Simonis dahin, weshalb das gute Abschneiden bei der Wahl am Sonntag dann auch die große Überraschung war.

Auch wenn Carstensen in der direkten Konkurrenz mit Simonis einen schweren Stand hatte, fiel es ihm nicht allzu schwer, den Finger in die rot-grüne Wunde zu legen. Mit Blick auf die Pro-Kopf-Verschuldung in Rekordhöhe verspöttelte er seine Konkurrentin als "Schulden-Heide" und prangerte unermüdlich die hohen Arbeitslosenzahlen und die niedrige Investitionsquote im Land an. Er selbst will im Falle einer Regierungsübernahme gemeinsam mit der FDP einen harten Sparkurs fahren und der schwächelnden Wirtschaft im Norden neuen Atem einhauchen. Tatsächlich trauen die Schleswig-Holsteiner ihm und seiner Mannschaft laut einer Umfrage am ehesten zu, Arbeitsplätze zu schaffen.

Bauen kann der Vater zweier erwachsener Töchter auf eine solide Politik-Karriere: Nach seinem Eintritt in die CDU 1971 wurde Carstensen 1983 in den Bundestag gewählt, wo er sich in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung einen Namen machte und lange den Agrarausschuss leitete. Vor der Bundestagswahl 2002 holte Edmund Stoiber den Norddeutschen als Experten für Landwirtschaft und Umweltschutz in sein Kompetenzteam. Im Wahlkampf setzte er ganz auf Argumente - und zeigte sich nach der Wahl überzeugt davon, dass diese Rechnung aufgegangen ist: Rot-Grün sei abegewählt worden, "weil die Menschen gesagt haben, wir wollen uns nicht um eine Person kümmern". (APA)

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