Keinen Appetit auf Rice-Pudding

20. Februar 2005, 20:11
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Aus einem Kommentar von Denis Boyles in der konservativen "National Review", der die Umarmungsoffensive der US-Regierung im Magen liegt

Erinnern Sie sich noch an "Face-Off", den Travolta-Cage-Thriller über die zwei Typen mit den vertauschten Gesichtern? Ich musste an den Film denken, als Condoleezza Rice, die Eiserne Lady aus der Ära Bush 1, vergangene Woche in Paris auftrat und einer Ansammlung übersättigter Eierköpfe Cr`eme Brulée servierte. Wäre doch cool, dachte ich, wenn sie sich plötzlich zur Seite drehen würde, ihr Gesicht abzieht und dann als Richard Perle wieder vors Publikum tritt ... War aber nicht. Mit zitternder Stimme und bebenden Lippen - oder hat nur der französische Kameramann gewackelt? - stellte sie sich in einen mit 500 linken Franzmännern vollgepferchten Hörsaal und machte auf nett.

Nett zu sein ist auch nicht furchtbar schwierig, wenn man eine Politik verkaufen muss, die auf hochtrabenden Plattheiten à la "Demokratie hilft immer und überall" basiert, vor allem vor einer Menge, die ganz hingerissen ist von dieser Idee und ihren luftigen philosophischen Implikationen - zumindest solange sie sie nicht mit konkreten Inhalten füllen muss. Das Problem ist nur, dass diese Art von Einstimmung auf den Bush-Besuch in eine Richtung zielt, die den Interessen der USA in keiner Weise nützt - es sei denn, man hält es schon für eine diplomatischen Coup, die Nato dazu zu bringen, ein paar Truppen nach West-Afghanistan zu schicken oder sich vielleicht an ihre Zusage zu erinnern, irakische Polizisten auszubilden.

Vielmehr gibt Rice damit nur den Gegnern der Bush-Politik Auftrieb. Die Vehemenz des Antiamerikanismus in Europa würde aber auch dann nicht geringer werden, wenn Bush nackt durch die Straßen von Brüssel rennt und sich dafür entschuldigt, dass er geboren wurde.

Bush und Rice verdanken ihren Aufstieg in der Gunst der Amerikaner, dass sind beide stets Klartext geredet haben. Wenn Bush jetzt womöglich dieselbe Süßholzraspler-Tour fährt, würden Sätze wie "Und dem iranischen Volk sage ich heute Abend: Wenn ihr für eure Freiheit kämpft, wird Amerika an eurer Seite stehen", anhören wie das Hula-Gedudel einer hawaiianischen Spielzeugband, und der Mann, der sie spricht, würde aussehen wie einer von diesen kleinen Schimpansen, die immer die Bongos schlagen ... (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2005)

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    karikatur: standard/schopf
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