Vor 60 Jahren wurden Schweizer Städte bombardiert

28. Februar 2005, 12:44
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Ob Verwechslung oder Denkzettel wurde nie geklärt - Insgesamt starben 84 Schweizer

Zürich - Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, im Februar und März 1945, bombardierten die USA verschiedene Schweizer Städte und Ortschaften. Ob sich die Bomben verirrten oder gezielt abgeworfen wurden, wurde nie geklärt. Die "Neue Zürcher Zeitung" erinnerte während des Krieges daran, dass die Schweiz von Kriegshandlungen grundsätzlich verschont blieb: Das Schweizer Volk wisse dieses Glück zu würdigen und "wird nicht in Wehleidigkeit verfallen, wenn einmal eine Flamme des grossen Brandes über die Grenzen schlägt".

70 Bombenabwürfe, 84 Tote

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in der Schweiz 7379 Fliegeralarme ausgelöst und vor allem über den Grenzkantonen 70 Mal Bomben abgeworfen. 84 Personen kamen ums Leben, hunderte wurden verletzt. Die Sachschäden beliefen sich auf 65 Millionen Franken.

Die folgenschwerste Bombardierung war jene von Schaffhausen: Am 1. April 1944 lud die US-Luftwaffe 371 Bomben über der Stadt ab und löste 65 Großbrände aus. 40 Personen starben, 270 wurden verletzt. US-Präsident Franklin D. Roosevelt entschuldigte sich umgehend.

18 Menschen starben am 22. Februar 1945, als Bomben in Stein am Rhein SH, Vals GR und Rafz ZH einschlugen. Am 4. März schließlich bombardierten die USA Basel und Zürich. Um 10.13 Uhr warfen neun Maschinen ihre Bomben über den Basler Güterbahnhof ab.

Während ein Teil des Gundeli-Quartiers in Schutt und Asche lag, wischten daneben Bewohner die Trottoirs sauber. "Von den verlorenen Nerven hat man weniger gefunden als von nicht zu verleugnendem, biederem Schweizertum", hielten die "Basler Nachrichten" fest.

Getroffen wurde auch ein voll besetzter Personenzug, der Basel um 10.10 Uhr Richtung Olten verlassen hatte. Wie durch ein Wunder kam an diesem Tag in Basel niemand ums Leben. In Zürich dagegen gab es Tote.

Um 10.19 Uhr schlugen 50 225-Kilogramm-Bomben und 6 Brandsätze im Zürcher Milchbuck-Quartier ein. Aus den Trümmern der beiden völlig zerstörten Häuser Frohburgstrasse 186 und In der Hub 16 konnten fünf Bewohner nur noch tot geborgen werden, zehn Personen wurden schwer verletzt.

Nie geklärt

Warum Schweizer Ortschaften bombardiert wurden, wurde nie geklärt. Die Alliierten sprachen von Irrtümern. Bei den Bombardierungen vom 22. Februar 1945 gaben sie Navigationsfehler an. Zu Basel hieß es, die Geschwader hätten den Bahnhof mit jenem von Freiburg im Breisgau verwechselt.

Wie bei Schaffhausen sollen ungünstige Winde die Flieger weiter nach Süden abgetrieben haben. Die Basler Presse aber war überzeugt, dass der Bahnhof bei klarer Sicht gezielt bombardiert wurde. Am 4. März war die Panzerfabrik in Aschaffenburg (Bayern) offizielles Ziel; nie bestätigten Gerüchten zufolge war es eine Zürcher Nazi-Propagandazentrale.

Von der Bombardierung am 15. März 1943 im Norden Zürichs wurde angenommen, dass sie der Maschinen- und Waffenfabrik Oerlikon galt. Und die Stimmen verstummten nicht, die in den Bombardierungen Denkzettel dafür sahen, dass die Schweiz das Deutsche Reich mit Waffen, Devisen und weiteren Gütern versorgt hatte.

Offizielle Entschuldigung

Die Basler Regierung forderte den Bundesrat (Schweizer Regierung) im März 1945 auf, alle Schritte zu unternehmen, dass sich solche Vorfälle nicht mehr ereignen. US-Luftwaffengeneral Carl Spaatz reiste in die Schweiz, um sich offiziell zu entschuldigen.

Bei den militärgerichtlichen Untersuchungen zu den Vorfällen von Basel und Zürich wurde den Angeklagten grobe Fahrlässigkeit beim Bombardieren einer neutralen Nation vorgeworfen. Die Piloten wurden aber freigesprochen mit der Begründung, die Beweise reichten für eine Bestrafung nicht aus. (APA/sda)

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