Intercell: Risiko und Hoffnung

1. März 2005, 18:07
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Was spricht für ein Investment in das Biotechunternehmen? Der STANDARD hat sich unter Fondsmanagern um­gehört

Hans Leitner, Manager des Biotech-Fonds der Erste Sparinvest, zeichnet nicht. Connie Schuemann, Biotech-Managerin bei der Capitalinvest sagt nicht Nein. Für Private gilt es, eine Menge Für und Wider bei diesem IPO (Initial Public Offering) abzuwägen.

Bis 25. Februar können 8,5 Millionen Intercell-Aktien zu einem Kurs zwischen 6,75 und 8,5 Euro bestellt werden. Dann folgt die Notiz im Wiener Prime Market - ein langersehntes IPO am Wiener Finanzplatz, der zwar überdurchschnittlich performt, aber dem Neuzugänge weit gehend fehlen.

Bis 72,3 Millionen Euro an frischem Kapital

Das Unternehmen wird durch den Börsengang zwischen 57,4 und 72,3 Mio. Euro einnehmen. Das soll in Entwicklung und Vermarktung der Produktkandidaten (Impfstoffe) fließen. 2004 hat Intercell noch 20 Mio. Euro Verlust geschrieben, für 2007 ist der Turnaround angepeilt.

Bisher sind rund 100 Mio. Euro Kapital in die Intercell geflossen. Venture-Fonds wie Nomura, MPM, Oppenheim, Go Equity und Apax haben die Forschungen an Impfstoffen gegen Hepatitis, Enzephalitis und gegen Krebs finanziert.

Hohe Schwankungsfreudigkeit

Der Blick auf die Biotech-Fonds (31 sind in Österreich zugelassen) und ihre Kursgeschichte zeigt jedenfalls die hohe Schwankungsfreudigkeit des Sektors: Auf vier Jahre betrachtet liegen solche Fonds zwischen 50 und 40 Prozent im Minus.

Das Platzen der Internetblase und die auch folgende Austrocknung im Risikokapitalbereich haben die Biotechunternehmen arg erwischt. Auf Zweijahressicht liegt der gesamte Sektor im Plus, die Fonds haben sich auch nach oben entwickelt. Seit Jahresanfang weisen einige schon einige Prozent plus auf.

Auf lange Sicht wird der Biotechnologie wegen überlasteter Gesundheitssysteme und fortschreitender Überalterung der Industriegesellschaften wesentliches Potenzial eingeräumt. Ein Kaufargument für Intercell?

Kein Sparbuch

Das Risiko in dieser Anlageklasse gilt jedenfalls als hoch. Das Börsenangebot ist auch noch vergleichsweise gering: Die zwei größten Pharmakonzerne bringen es auf einen höheren Börsenwert als die gesamte Nasdaq-Biotech-Szene mit 399 Mrd. zusammen.

Mit Intercell hat Biotech an der Wiener Börse jedenfalls seine Premiere. Das gilt vielen angesichts der kaum vorhandenen Venture-Capital-Szene als Financier im Vorfeld eines Börsenganges als Besonderheit.

Für Hans Leitner (Erste Sparinvest) kommt der Börsengang jedoch zu früh: "Das Unternehmen ist gut, aber der Schritt an die Börse kommt zu früh." Börseninvestoren seien in der Regel kurzfristig orientiert, das mache Druck auf das Unternehmen, was in einer Phase vor Gewinnen schwierig werden könnte. Er wird die Emission für seinen Fonds nicht zeichnen.

Gute Marktnische

Intercell habe eine gute Marktnische, die Produktpipeline sei ihm aber zu klein. Zudem seien die Produkte (Impfstoff gegen Japan-Enzephalitis und Hepatitis C) noch nicht in der Marktreife. Besonders in Phase zwei (Hepatitis-Impfstoff) sei die Drop-out- Rate ziemlich hoch.

Andere heben wiederum zukunftsweisende Lizenzvereinbarungen mit Pharmariesen wie Sanofi und Merck positiv hervor und erachten die für den Japan-Enzephalitis-Impfstoff angepeilte Marktreife 2006 für ausreichend Sicherheit, um zu zeichnen.

Connie Schuemann lobt mit Alexander von Gabain und Finanzchef Werner Lanthaler vor allem das Management des Unternehmens und sieht in der günstigen Ausgaberange "Aufwärtspotenzial". Schuemann: "Ich überlege es wohl." Auch wenn es so aussehe, als würde der Großteil international platziert. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.02.2005)

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    Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten aus Wien als Hoffnung für Börsianer: Intercell ist das erste Biotechunternehmen an der Wiener Börse.

  • Infografik: Biotech-Fonds gereiht nach Dreijahresperformance
    grafik: der standard

    Infografik: Biotech-Fonds gereiht nach Dreijahresperformance

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