Bush lobte vor Abreise Europa

21. Februar 2005, 17:57
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Für Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sind die transatlantischen Irritationen nun zu Ende

"Amerika und Europa sind die Säulen der freien Welt", erklärte der amerikanische Präsident George W. Bush einen Tag vor seiner Europareise am Samstag in seiner wöchentlichen Radioansprache. Mit Bezug auf den Irakkrieg und die mit ihm verbundenen Kontroversen meinte er, selbst beste Freunde seien "nicht immer einer Meinung". Seine Erklärung, "wir akzeptieren die falsche Karikatur nicht, die die westliche Welt zwischen den idealistischen Vereinigten Staaten und einem zynischen Europa teilt", könnte allerdings von "zynischen" Europäern als leicht herablassend beurteilt werden.

Keine Bitterkeit

Obwohl der Konflikt im Irak das zentrale Thema der Gespräche sein werde, wolle er jedoch auch den Nahostkonflikt ansprechen. Es sei zu überprüfen, wie man seitens der USA die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern unterstützen könnte. Bush plant auch, Handelsfragen - insbesondere die Senkung der EU-Handelsschranken für landwirtschaftliche Produkte aus den USA - anzusprechen.

In Interviews Ende der vergangenen Woche erklärte Bush auch, er hege keine Bitterkeit gegenüber dem französischen Präsident Jacques Chirac, dem prominentesten Gegner der Invasion des Irak. Bush stellte allerdings auch Chiracs Idee einer Welt, in der ein vereintes Europa ein Gegengewicht zu den USA darstellen könnte, infrage: "Warum, wenn wir doch Werte und Ziele teilen?"

Die amerikanischen Medien konzentrierten sich vergangene Woche hauptsächlich auf Berichte von europäischen Korrespondenten über die Stimmung vor dem Besuch des US-Präsidenten. Sonntag brachte die New York Times auf ihrer Op-Ed-Seite Kommentare von prominenten Europäern, darunter auch Elfriede Jelinek ("Keine neuen Kriege") und dem "Kopf" der Popgruppe U2, Bono.

Die Washington Post lobt Bush dafür, dass er "die Notwendigkeit einer Partnerschaft mit Europa" erkannt hat, und findet "eine größere Bereitschaft, europäische Regierungen als unabhängige Alliierte zu behandeln, die man gut behandeln und denen man zuhören muss". In einem Leitartikel wird Bush gleichzeitig der Ratschlag erteilt, sich "weise" zu verhalten und den Europäern gegenüber "Konzessionen bei Themen wie der Umwelt und dem Internationalen Gerichtshof" zu machen, wenn er eine größere Empfänglichkeit für seine eigenen Pläne herstellen wolle.

Unabhängig von Bushs Europareise bringt die New York Times auch einen Bericht über eine Reihe von Tonbandaufnahmen von Telefongesprächen zwischen dem damaligen Gouverneur Bush und einem Berater Ende der Neunzigerjahre, in denen Bush sein eigenes "wildes Benehmen" anspricht, zugibt, Marihuana geraucht zu haben, und auf die Frage, ob er Kokain verwendet habe, erklärt: "Ich habe nichts abgestritten."

Selbst "ein Sünder"

Sollte er Präsident werden, erklärte Bush damals, wolle er - den inzwischen zurückgetretenen Justizminister - John Ashcroft zu seinem Vizepräsidenten oder aber zu einem Obersten Richter machen. Auch habe er nichts gegen Homosexuelle, da er selbst "ein Sünder" sei.
Bush wurde am Sonntagabend zum Auftakt seiner Europareise in Brüssel erwartet. Höhepunkte seines Aufenthalts in der belgischen Hauptstadt sind die für Dienstag geplanten Gipfeltreffen bei der Nato und der Europäischen Union. Die Erneuerung der transatlantischen Beziehungen steht im Mittelpunkt der mehrtägigen Visite, die Bush am Mittwoch auch nach Deutschland und am Donnerstag in die Slowakei führt.

Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer meint indes, dass die "Zeit der transatlantischen Irritationen" beendet sei. "Dieser Besuch wird deutlich machen: Amerika und Europa sind füreinander unersetzliche Partner", schrieb er in einem Gastbeitrag für die deutsche Bild am Sonntag. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2005)

Von Susi Schneider aus New York
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    George W. Bush und Gattin Laura beim Verlassen des Weißen Hauses in Richtung Europa

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