Deadline für Anbieter am Dienstag

22. Februar 2005, 19:11
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Vergabe soll am 7. März verkündet werden

Klagenfurt - Das Vergabeverfahren um den Bau des Klagenfurter Fußballstadions für die EM 2008 neigt sich dem Ende zu: Bis Dienstag können die sechs Bewerberfirmen ihre jeweiligen Angebote nachbessern, danach muss die Vergabekommission entscheiden. Nach einer zweiwöchigen Einspruchsfrist trifft sich die Kommission am 7. März zu ihren Abschlussberatungen in Klagenfurt und wird anschließend - spätestens am 8. März - ihre Entscheidung bekannt geben, welche der sechs Bewerberfirmen oder Konsortien den Bauauftrag erhält.

Laut der schon vor einigen Wochen von der "Kärntner Woche" veröffentlichten Bieterliste war zu diesem Zeitpunkt die Bewerbergemeinschaft Porr Techno Bau und Alpine Mayreder Bau GmbH mit 59,84 Mio. Euro Billigstbieter. Das teuerste Angebot kam von der Gemeinschaft Max Bögl Austria GmbH sowie Gerkan, Mark und Partner, die das Stadion um 81,55 Millionen errichten wollten und bei einem Zuschlag einen Preisnachlass von fünf Prozent angeboten haben.

Die Strabag AG von Hans-Peter Haselsteiner hat gemeinsam mit Siemens und der niederländisch-deutschen Firma HBM mitgeboten und verlangte 67,74 Mio. Euro, die deutsche Gemeinschaft Hellmich/Queck lag mit 66,2 Mio. knapp darunter. Das Angebot der Swietelsky Bau GmbH lag bei knapp 70 Mio. Euro, die Bauunternehmung Granit GmbH und die Ast Baugesellschaft mbH wollten um 79,89 Millionen ein neues Stadion in Klagenfurt bauen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Über allfällige Nachjustierungen bei den jeweiligen Angeboten ist naturgemäß nichts bekannt, denn das würde das Projekt wohl endgültig zum Scheitern bringen. Schon die Veröffentlichung der ursprünglichen Angebote hatte für enormen Wirbel gesorgt. Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft, wer für diese Indiskretion verantwortlich ist. Es gab auch heftigste Vorwürfe und gegenseitige Anschuldigungen auf politischer Ebene, die sogar bis zu einer angeblichen Parteienfinanzierung reichten. Zuvor hatte es in Klagenfurt bereits jahrelange Auseinandersetzungen über die Art des Projektes, den Standort und die Finanzierung gegeben.

Auch in der Vergabekommission selbst rumorte es gewaltig. Ein Architekt, der via Medien eine Parteienfinanzierung durch die Strabag in den Raum gestellt, diesen Vorwurf aber wieder zurückgezogen hatte, verließ die Kommission nach Einbringung einer Millionenklage durch das Bauunternehmen. Auch gegen ein vom Land Kärnten entsandtes Mitglied gab es Anschuldigungen bezüglich angeblicher Favorisierung eines Bieters. Im Gefolge dieser Causa kam es zur angeblichen Abhöraffäre rund um freiheitliche Kärntner Persönlichkeiten, was sich zu einem veritablen Krach zwischen FPÖ und ÖVP ausgewachsen hat.

Aber auch der Vorsitzende der Vergabekommission, der für Schul- und Sportstättenbau zuständige Peter Gattermann, geriet ins Kreuzfeuer der Kritik. Er soll nämlich alle Angebote bereits vom Preis her gekannt haben, noch ehe das Vergabeverfahren begonnen hatte. Gattermann bleib zwar in der Kommission, dem Vernehmen nach aber ohne Stimmrecht.

Scharfe Worte zwischen Gattermann und Haider

Zwischen Gattermann und dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) hatte es zuletzt scharfe Worte gegeben. Haider warf dem Kommissionsvorsitzenden "Rechtsbruch" vor, dieser spricht von "massiven Beeinträchtigungen" und politischer Einflussnahme des Landeshauptmannes und übt in diesem Zusammenhang auch scharfe Kritik an den drei Kärntner Mitgliedern der Vergabekommission. Haider wiederum ortet eine "Wiener Mafia" und "Wiener Strizzis".

Dessen ungeachtet gab es von allen Seiten bis zuletzt ein klares Bekenntnis zum Stadionbau. Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher (V) in seiner Eigenschaft als Bauherr rechnet allerdings auf Grund aller Vorkommnisse im Vorfeld der Vergabe mit Schadenersatzklagen.

Das sei aber noch immer besser, als wenn nicht gebaut würde. Dann hätte man nämlich die Klagen trotzdem am Hals, aber kein Stadion. Knapp wird die Sache auf jeden Fall: Nach der Vergabe am 7. oder 8. März steht noch das Verfahren um die Umweltverträglichkeitsprüfung - falls sie nicht vorher im Nationalrat abgeschafft wird - an, die Sportstätte soll spätestens im Mai 2007 fertig gestellt sein. (APA)

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