Ex-Regierungschef Haitis kurzfristig aus Gefängnis befreit

22. Februar 2005, 15:39
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Polizei kann Neptune und früheren Innenminister Privert kurz darauf wieder fassen - Rund 350 weitere Häftlinge entkommen

Port-au-Prince - Bewaffnete haben in Haiti den ehemaligen Regierungschef und den früheren Innenminister des entmachteten Präsidenten Jean Bertrand Aristide aus dem Gefängnis befreit. Schon wenige Stunden später aber konnten Ex-Ministerpräsident Yvon Neptune und Ex-Innenminister Jocelerme Privert wieder gefasst werden, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Bei der Befreiungsaktion konnten rund 350 weitere Häftlinge aus dem Gefängnis der Hauptstadt Port-au-Prince entkommen. Ein Wärter wurde erschossen, drei weitere verletzt. Neptune und Privert, bis zu dessen Rücktritt im Frühjahr 2004 in der Regierung von Aristide, saßen wegen eines Massakers an Oppositionellen in Haft.

Schwer Bewaffnete drangen in Gefängnis ein

Nach Polizeiangaben drangen die schwer Bewaffneten am Samstagnachmittag in das Gefängnis ein, als Angehörige den Häftlingen gerade Essen brachten. Drei Fahrzeuge hielten laut Augenzeugen vor dem Gefängnis, bevor es zu einer schweren Schießerei kam. Dabei wurde nach Polizeiangaben ein Wärter erschossen. Rund einem Viertel der etwa 1.400 Häftlinge gelang die Flucht, darunter Neptune und Privert. Die beiden Politiker wurden wenige Stunden später am Samstagabend von der Polizei in Port-au-Prince gefasst. Von den anderen Geflohenen konnten zunächst nur wenige festgenommen werden. Kurz nach der Nachricht von der Flucht hatten Dutzende erzürnte Menschen vor der Polizeistation der Stadt protestiert.

Wegen Massaker an Oppositionellen inhaftiert

Neptune und Privert saßen seit Mitte 2004 in dem Gefängnis. Sie werden beschuldigt, in ein Massaker an rund 50 Oppositionellen im Februar 2004 verwickelt zu sein. Ende Februar war Präsident Aristide nach wochenlangen Aufständen und unter internationalem Druck zurückgetreten und anschließend ins Exil nach Südafrika gegangen. Seit dem Frühjahr 2004 wird regiert Gerard Latortue als Übergangspräsidenten das Land. Für Ende des Jahres sind Wahlen angesetzt. Trotz internationaler Finanzhilfe und der Stationierung eines rund 6.500 Mann starken UN-Kontingents in dem Land ist Haiti weiterhin das ärmste Land Amerikas und leidet weiter unter Gewalt und Korruption. Immer wieder kommt es zu Unruhen, die meist von Aristide-Anhängern angezettelt werden. (APA)

  • Wärter schließen wieder die Tore jenes Gefängnisses, das zuvor von schwer bewaffneten Männern gestürmt worden war.

    Wärter schließen wieder die Tore jenes Gefängnisses, das zuvor von schwer bewaffneten Männern gestürmt worden war.

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    Dem ehemaligen Regierungschef Haitis, Yvon Neptune, wird vorgeworfen in ein Massaker an Oppositionellen verwickelt zu sein.

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