Die Fuchsjagd ging symbolisch weiter

21. Februar 2005, 21:39
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Erste Festnahmen: Jäger auf Kaution freigelassen - Tausende Jäger in England und Wales protestierten gegen Verbot

London - Einen Tag nach Inkrafttreten des umstrittenen Verbots der traditionellen Fuchsjagd haben sich tausende Gegner in England und Wales an demonstrativen Jagdgesellschaften beteiligt. Aus Protest gegen die neuen Bestimmungen fanden sie sich am Samstag im ganzen Land zur traditionellen Treibjagd mit Hunden und Pferden ein, bei der alles so war wie immer - nur, dass die Füchse dabei erstmals verschont blieben.

Tierschützer verfolgten das bunte Treiben, um den Behörden dennoch mögliche Verstöße anzuzeigen. Die Polizei im südwestenglischen Wiltshire meldete erste Festnahmen: Im Morgengrauen erwischte sie vier Männer bei einem heimlichen Jagdausflug.

91 Füchse getötet

Nach Angaben der Vereinigung der Jagdfreunde, Countryside Alliance, beteiligten sich bis zu einer halben Million Verbotsgegner an den demonstrativen Hetzjagden. Diese wurden im ganzen Land abgehalten, wobei die Gegner alle Schlupflöcher des neuen Gesetzes nutzten, um doch noch den ein oder anderen Fuchs zur Strecke zu bringen: So zogen sie unter anderem einzeln und nur mit zwei Hunden los; andere jagten lediglich dem Geruch der Beute hinterher oder jagten nur zum Schein und ganz ohne Beute. Insgesamt wurden 91 Füchse laut Alliance getötet, einige davon auch "versehentlich" von übereifrigen Jagdhunden.

"Die ganze Geschichte entwickelt sich langsam zu einer Vertrauenskrise für die Regierung", sagte Alliance-Chef John Jackson vor rund 2000 Gegnern des neuen Verbots in dem malerischen mittelenglischen Örtchen Stratton Audley. Er gab sich überzeugt, dass am Ende "der gesunde Menschenverstand" siegen und die Regierung von Premierminister Tony Blair das Verbot wieder zurücknehmen werde.

Das Verbot der Fuchsjagd - das einem ähnlichen Gesetz in Schottland folgt - war nach siebenjährigem Ringen im November per Sondervollmacht vom britischen Unterhaus gegen den Willen des Oberhauses beschlossen worden und am Freitag in Kraft getreten. Es verbietet den jahrhundertealten und vor allem auf dem Land tief verwurzelten Sport, der neben dem Adel auch viele prominente Anhänger hat. Am Samstag fand sich unter anderen auch Schauspieler Jeremy Irons demonstrativ zur Jagd in Stratton Audley ein, "um der Regierung zu sagen, dass sie sich nicht in unser Leben einmischen soll".

Auf der anderen Seite hatten Tierschutzorganisationen rund hundert Mitglieder mobilisiert, um mögliche Gesetzesbrüche per Videokamera festzuhalten. Nach den Worten eines ihrer Sprecher wurde das Gesetz jedoch weitgehend respektiert. Die einzigen Festnahmen hatten nach Angaben der Polizei nichts mit den landesweit organisierten Jagdgesellschaften zu tun. Vier Männer seien am frühen Samstagmorgen in einem Wald von Wiltshire aufgegriffen worden, als sie heimlich ihrer Jagdleidenschaft frönten. Sie wurden nach kurzer Zeit gegen Kaution wieder freigelassen. (APA)

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    Trotz Verbot: Manche Briten wollen nicht von der Fuchs-Hetze ablassen.

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