Patientin in Hannover an Tollwut gestorben

21. Februar 2005, 18:49
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Frau erhielt Lunge von infizierter Organspenderin - Auch Zustand anderer Patienten kritisch

Hannover - Erstmals ist in Deutschland ein Mensch durch ein mit Tollwut infiziertes Transplantationsorgan ums Leben gekommen. In der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH) starb am Samstagabend eine junge Frau, der eine mit dem tödlichen Virus infizierte Lunge eingepflanzt worden war. Das teilte die MHH am Sonntag mit. Die Klinik hatte zuletzt mit einer neuartigen Therapie aus den USA versucht, das Leben der Frau zu retten. Auch der Zustand zweier Patienten in Hannoversch Münden und Marburg ist weiter kritisch. Beide hatten von derselben mit Tollwut infizierten Spenderin Organe erhalten.

Spenderin hatte sich vermutlich in Indien angesteckt

Der Patientin aus Hannover war Anfang Jänner die Lunge einer Spenderin eingepflanzt worden, die sich vermutlich in Indien mit Tollwut angesteckt hatte und im Dezember gestorben war. Insgesamt hatten sechs Menschen Organe der infizierten jungen Frau bekommen, die im Alter von 26 Jahren gestorben war. Drei zeigen bisher keine Erkrankungssymptome.

Tollwut-Schnelltests sollen forciert werden

Als Konsequenz aus dem Fall wollen Spezialisten der MHH die Entwicklung von Tollwut-Schnelltests bei Organtransplantationen vorantreiben. "Nach diesem tragischen Fall ist klar, das darf sich nicht wiederholen", sagte der Direktor der MHH-Abteilung Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Axel Haverich. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine Möglichkeit, eine Ansteckung mit Tollwut bei einer Organspende hundertprozentig auszuschließen. Da zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung Monate vergehen können und Tollwut-Tests mehrere Tage dauern, kann die Gefahr bei Organspenden, die innerhalb kürzester Zeit verpflanzt werden müssen, nie ganz ausgeschlossen werden.

Alle Vorschriften eingehalten

Der Mediziner betonte, bei der Transplantation in Hannover seien alle ärztlichen Vorschriften eingehalten worden. Die junge Frau, die das kranke Spenderorgan erhielt, hatte vor 15 Jahren schon einmal ein neues Herz und eine neue Lunge bekommen. Sie lag seit Oktober in der MHH und wartete auf ein geeignetes Spenderorgan.

Erster Verdacht auf Virsuinfektion Anfang Februar

Nachdem es zunächst schien, dass ihre Transplantation erfolgreich verlaufen war, gab es Anfang Februar einen ersten Verdacht auf eine Virusinfektion. Die Ärzte versetzten die junge Frau vor drei Wochen in ein künstliches Koma. Nach Angaben des Leiters des Lungentransplantations-Programms, Martin Strüber, starb sie an Herzversagen. Die Leiche der jungen Frau soll obduziert werden, um letzte Sicherheit über die Todesursache zu bekommen.

Spenderin in Mainz gestorben

Die Spenderin des Organs soll nach deutschen Medienberichten vom Sonntag vor ihrem Tod in mehreren Krankenhäusern mit Symptomen wie heftigen Kopfschmerzen und Angstzuständen behandelt worden sein, bevor sie in der Universitätsklinik Mainz starb. Vor ihrem Tod durch Herzstillstand hatte die Spenderin möglicherweise Drogen zu sich genommen. Die Mainzer Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob sie Ermittlungen aufnimmt. Behördensprecher Klaus Puderbach sagte der dpa, man habe eine Stellungnahme der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) angefordert. Puderbach widersprach dem Magazin "Focus", das ihn mit der Aussage zitiert hatte, die Staatsanwaltschaft werde "mit hoher Wahrscheinlichkeit" Ermittlungen aufnehmen. (APA/dpa)

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