Beirut wirft Chirac Parteinahme vor

20. Februar 2005, 13:54
2 Postings

Präsident Lahoud bei Besuch im Libanon "völlig ignoriert"

Beirut - Im Zusammenhang mit seinem Kondolenzbesuch bei der Familie des ermordeten Ex-Premiers Rafik Hariri hat die libanesische Regierung dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac eine einseitige Parteinahme zugunsten der Opposition vorgeworfen. "Chirac kam nach Libanon, um anzuklagen und die Opposition zu ermuntern, die Lage weiter zu verschärfen", sagte Verteidigungsminister Abdel Rahim Mourad am Samstag.

Chirac habe bei seinem Besuch in Beirut am Mittwoch die Regierung und den libanesischen Präsidenten Emile Lahoud "vollkommen ignoriert", beklagte Mourad. Nach dem Bombenattentat vom Montag hatte Chirac eine internationale Untersuchung gefordert. Die Regierung in Paris gab zudem eine Reisewarnung für den Libanon heraus.

Einmischung

Im vergangenen Jahr hatten Frankreich und die USA in ungewöhnlicher Übereinstimmung eine UNO-Resolution auf den Weg gebracht, die den Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon und ein Ende der ausländischen Einmischung forderte. Im Streit um die Mandatsverlängerung für den pro-syrischen Präsidenten Lahoud war Hariri im Oktober zurückgetreten.Die libanesische Opposition machte die Regierung in Beirut für den Mordanschlag verantwortlich und rief zu einem "friedlichen, demokratischen Aufstand" auf. Dagegen forderte der Anführer der pro- iranischen Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, die Libanesen "in dieser kritischen Zeit" zum Dialog auf. Es müsse eine "ernsthafte und ehrliche Untersuchung" des Anschlags geben. Zugleich beschuldigte er in seiner Ansprache zum schiitischen Ashura-Fest Israel der Tat. (APA/dpa)

Share if you care.