ElBaradei fordert die USA zu Verhandlungen mit dem Iran auf

20. Februar 2005, 18:24
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IAEO-Generaldirektor: Fortschritte ohne Washington schwer vorstellbar

Hamburg - Der Generaldirektor der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohamed ElBaradei, hat die USA dringend zur Teilnahme an den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm aufgefordert. In einem Interview mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin "Der Spiegel" sagte ElBaradei, europäische Bemühungen könnten nur Erfolg haben, "wenn sich die USA anschließen und ihr Gewicht in die Waagschale werfen. Wir brauchen eine gemeinsame Front. Es geht den Iranern erkennbar um mehr militärische Sicherheit, um wirtschaftliche Erleichterungen und Technologietransfers: Fortschritte sind da ohne Washington schwer vorstellbar."

Technisch in der Lage

ElBaradei erklärte, technisch sei der Iran in der Lage, innerhalb von zwei bis drei Jahren die Bombe zu bauen. "Sie haben ohne Zweifel das Know-how und die industrielle Infrastruktur." Ein Militärschlag gegen die Atomanlagen werde das Problem nicht lösen. "Nach einem Angriff würden die Iraner sicher in den Untergrund gehen und so gezielt wie möglich eine Waffe herstellen."

Im Zusammenhang mit der aktuellen Atomkrise in Nordkorea bot ElBaradei seine Vermittlung an: "Ich bin äußerst besorgt. Wenn es einer besonderen Geste bedarf: Ich bin bereit, selbst dorthin zu fahren." Das Regime, so der IAEO-Generaldirektor, betrachte "die Atombombe offensichtlich als seine einzige Trumpfkarte für Verhandlungen". ElBaradei forderte dringend eine Verschärfung des Atomwaffensperrvertrags. (APA/dpa)

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