Russische Regenmacher auf Kuba

21. Februar 2005, 19:55
1 Posting

Wolkenbehandlung mit Silberjodid soll Dürre beenden

Havanna/Montevideo – Darbendes Vieh und vertrocknete Felder auf Kuba – damit soll jetzt dank russischer Technologie bald Schluss sein. Die Revolutionsführung in Havanna will einem Bericht der Parteizeitung Granma zufolge ab Juli mit künstlichem Regen die Jahrhundertdürre im Osten der Insel bekämpfen.

Wie der Direktor des kubanischen Wetterdienstes, Daniel Martinez, dazu erklärte, besteht die Technik darin, bereits vorhandene Wolken mit Silberjodid zu bombardieren, um so die Niederschlagsmenge zu steigern. Mit kleinen Flugzeugen werde die Substanz in Kartuschen in die ausgewählte Wolke gebracht; das Silberjodid agiere dann als Katalysator und führe durch frei werdende Wärme dazu, dass mehr Energie freigesetzt werde, die Wolke höher steige, sich größer aufbaue und mehr Regen freigebe, schilderte er.

Nur bei Bewölkung

Einen Nachteil hat die Technologie allerdings: Bei blitzblauem Himmel und sonst ungünstigen atmosphärischen Umständen funktioniert sie nicht. Auf Kuba wurde 1978 mit derartigen Experimenten in Zusammenarbeit mit der damaligen Sowjetunion begonnen. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der Einstellung der bilateralen Kooperation am Anfang der 90er- Jahre aber auf Eis gelegt.

Kuba leidet seit fast einem Jahrzehnt unter dem Mangel an Niederschlägen, seit zwei Jahren hat es im Osten der Insel kaum geregnet. Die Durchschnittstemperatur auf der Insel ist Meteorologen zufolge um 0,5 Grad gestiegen, die Stauseen sind nur zu 40 Prozent gefüllt. Die Schäden durch die Trockenperiode belaufen sich auf 834 Millionen Dollar (640 Millionen Euro). Kühe notgeschlachtet Zehntausende Kühe sind verdurstet oder mussten notgeschlachtet werden, die Zuckerrohrfelder vertrockneten, und die kubanische Regierung musste Grundnahrungsmittel wie Milch importieren. Täglich müssen 700.000 Menschen mit Wasser aus Tanklastern versorgt werden.

Dürre und Hurrikane

Hinzu kamen im Herbst 2004 zwei heftige Wirbelstürme, die im Zentrum der Insel Schäden anrichteten und Verluste von umgerechnet mehr als 1,5 Millionen Euro verursachten. Sowohl die Dürre als auch die Hurrikane werden von Experten mit dem Klimawandel und dem Treibhauseffekt in Verbindung gebracht. (Sandra Weiss, DER STANDARD Printausgabe, 19.02.2005)

Share if you care.