Geschlechtsspezifische Sprache der Wissenschaft

19. Februar 2005, 10:00
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Geistesblitz: Ulrike Heiglmaier erhielt den Erika-Weinzierl- Preis für vergleichende Sprachforschung

Gereizt hatte Ulrike Heiglmaier ein Sprachstudium schon immer. Nur damals, als es um die Studienwahl ging, hatte man ihr davon abgeraten - keine Perspektive, kein Job. Schließlich studierte sie "eher lustlos" die Juristerei. Dass sie dann doch zu dem zurückkehrte, was sie immer schon machen wollte, wurde Ende vergangenen Jahres mit dem Erika-Weinzierl-Preis gekrönt. Die nunmehrige Magistra der Anglistik (Lehramt) bekam ihn für ihre Diplomarbeit, in der sie den "männlichen" und "weiblichen" Sprachgebrauch in der Wissenschaft analysiert hat.

Der Succus ihrer Fallanalyse, deren Grundlage eine Videodokumentation einer internationalen Wissenschafterkonferenz ist: Frauen verwenden viel häufiger Formeln der Unsicherheit oder der Relativierung. "Während ein Mann sagt, 'Es ist gut', sagt eine Frau 'Ich denke, es ist gut'", nennt Heiglmaier eines von vielen Beispielen. Frauen würden ihren Ausführungen viel eher Formulierungen wie "'ich meine', 'vielleicht' oder 'man könnte sagen'" beifügen. Dabei, hatte Doppelmagistra Heiglmaier angenommen, würde der Sprachgebrauch der Geschlechter in der Wissenschaft annähernd gleich sein -, bewege man sich doch innerhalb derselben Community mit denselben Themen.

Weiters ergab sich bei Heiglmaiers Sprachanalyse, dass die Männer ihre Kollegen und Frauen ihre Kolleginnen in der beobachteten Konferenz weit weniger häufig unterbrechen - als der Mann die Frau und umgekehrt. Und dritte Auffälligkeit, die in der Diplomarbeit dokumentiert wurde: Sind Frauen unsicher und versuchen sie es zu überspielen, neigen sie eher dazu, männliche Forschheit an den Tag zu legen. Dabei hält Ulrike Heiglmaier es "für die Gesprächskultur nicht sinnvoll, wenn Frauen die Attitüden der Männer übernehmen". Auch nicht, dass mitunter Frauen glauben, aggressiver sprechen zu müssen, um sich durchsetzen zu können. Dafür, hält sie ihrem Geschlecht zugute, würden Frauen kaum "versuchen, ihre Meinung als die absolut gültige darzustellen". Die Männer eher schon. Die Frauen trügen "den Rucksack" einer jahrhundertealten Tradition mit, in der sich Machtverhältnisse manifestiert haben. Das drücke sich auch in der Sprache aus, ist ihre Vermutung. Verallgemeinern würde sie die Ergebnisse ihrer Diplomarbeit aber nicht wollen: "Ich habe nur eine Feststellung gemacht an einem Fallbeispiel."

Um die ausgezeichnete Diplomarbeit überhaupt machen zu können, war bei Heiglmaiers umfassendes Familienmanagement gefragt. Die drei Kinder (ein Jahr, neun und sieben) wurden abwechselnd von den Großeltern versorgt, damit die Mama in Ruhe an der Arbeit schreiben konnte. Der Papa hatte als Lehrer auch nicht die Zeit, sich alleine um Familie und Haushalt zu kümmern.

Seit September 2004 macht die 1966 im oberösterreichischen Vorchdorf geborene Ulrike Heiglmaier ihr Unterrichtspraktikum an der Bundeshandelsakademie II Salzburg. Später hofft sie natürlich auf einen Lehrerjob, damit sie ihre Englischkenntnisse an die Schülerinnen und Schüler bringen kann. Denkt sie an die Zukunft, träumt die künftige Lehrerin vom Reisen. Australien und Neuseeland fallen ihr als Traumdestinationen ein. Weil jetzt so viele andere Dinge wichtig sind in ihrem Leben, "werde ich halt schon in der Pension sein, bis ich dort hinkomme". (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD, Print, 19./20.2.2005)

  • Artikelbild
    illustration: standard/oliver schopf
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