Fasten - auch für Tiere?

20. Februar 2005, 14:00
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Die Übergewichtigen werden immer mehr, auch beim Hausgetier

"Ach du dicker Hund!" Diesen Stoßseufzer kann man immer öfter hören - und auch bei den Katzen sind die X-Large-Modelle im Zunehmen. In den USA ist schon jedes vierte bellende oder miauende Haustier übergewichtig. In England sind die dicken Tiere ebenfalls im Vormarsch: Jüngst wurde an der Universität von Liverpool eine vom Futterhersteller Royal Canin gesponserte Klinik für übergewichtige Haustiere eröffnet.

Bei uns gelten immerhin 20 bis 30 Prozent der Hunde und Katzen als zu dick. Faustregel: Sind die Rippen unterm Fell nicht mehr leicht tastbar, sind Bello und Minki zu fett und haben Herz- und Lebererkrankungen, verstärkte Abnutzung der Gelenke, Kurzatmigkeit bis hin zu Lungenerkrankungen, Hauterkrankungen, erhöhte Neigung zu Tumoren, eine generelle Schwächung des Immunsystems und mehr zu fürchten.

Abgesehen davon, dass auch sonst die Lebensqualität sinkt: Es mag auch "gemütliche Dicke" unter den Vierbeinern geben, oft aber sind gerade sie übellaunig, weil ihnen der gewichtsbedingte Bewegungsmangel aufs Gemüt schlägt. Andererseits bleibt einem Dickerl mit vier Pfoten oft nicht mehr viel Freude außer dem Futtern - ein Teufelskreis entsteht.

Was tun? Auf jeden Fall sollte der Tierarzt konsultiert werden. Denn Nulldiät und unkontrollierte Hungerkuren können dem Tier mehr schaden als nützen - etwa weil es zu einer Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen kommt. Im schlimmsten Fall kann radikaler Essensentzug etwa bei Katzen sogar zu tödlichem Leberversagen führen.

Der Tierarzt wird zu einer Reduzierung der Futtermenge um etwa zehn Prozent oder zu kalorienreduzierten Diätfuttermitteln raten. Auf jeden Fall müssen die Leckerlis zwischendurch gestrichen werden, denn meist haben diese und nicht das "normale" Futter zum Übergewicht geführt.

Bei heiklen Essern ist das Abnehmen noch leichter: Man gibt nicht mehr das Lieblingsfutter, sondern solches, das zwar auch, aber nicht mit Leidenschaft gefressen wird. Wird die Portion mangels Appetit stehen gelassen - weg damit. Schon sind Kalorien eingespart. Unabdingbar neben der Futterreduktion ist aber ein Bewegungsprogramm: mehr Auslauf für den Hund, Spiele für die Katze. Zu Beginn nichts überstürzen, auch Tiere müssen sich langsam hochtrainieren.

Der Weg zur "Idealfigur" lohnt sich auf jeden Fall. Auch wenn's bei uns nicht - wie in Großbritannien - etwas zu gewinnen gibt: Da wurden die Katze Mischief, die von elf auf sechs Kilogramm abnahm, und der Labrador Max, der sich von 50 auf 30 Kilo hinuntertrainierte, beim "Slimmer of the Year"-Wettbewerb mit Preisen im Wert von 4000 Euro belohnt. (Andrea Dee, DER STANDARD, Print, 19./20.2.2005)

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