Getrübte Freude über „freies Geleit“ für Foco

21. Februar 2005, 17:23
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Eltern fürchten um das Leben ihres Sohnes – Verteidiger wartet noch zu

Linz/Wien – „Ich möchte die Geschichte zu Ende bringen“, mit dieser überraschenden Aussage begründete Justizministerin Karin Miklautsch am Donnerstag im Gespräch mit den Eltern Christine und Theodor Foco die Zusicherung des „freien Geleits“ für ihren Sohn Tibor.

Der seit zehn Jahren flüchtige Exmotorradrennfahrer und mutmaßliche Prostituiertenmörder Tibor Foco könnte – sollten die Eltern gemeinsam mit dem Linzer Strafrechtprofessor und Anwalt des Flüchtigen, Herbert Wegscheider, einen entsprechenden Antrag stellen – nach Österreich zurückkehren und würde bis zu einem möglichen neuen Urteil in erster Instanz nicht in Haft genommen werden.

„Angst um Tibor“

Die Eltern sehen die jüngste Entwicklung in dem Fall mit gemischten Gefühlen. „Natürlich freut es mich, wenn nach so langer Zeit endlich wieder Bewegung in diesen unbeschreiblichen Justizirrtum kommt. Ich habe aber auch Angst um meinen Tibor, denn sobald er zurück nach Österreich kommt, ist er in akuter Lebensgefahr“, fürchtet Christine Foco im Gespräch mit dem Standard.

"Vertrauen der Justiz nicht mehr"

Er würde seinem Sohn nie bitten zurückzukehren, erklärt auch Theodor Foco. „Wir haben das Vertrauen in die Justiz völlig verloren, und ich würde es mir nie verzeihen, wenn mein Sohn wieder im Gefängnis landet“, so der 88-jährige Vater. In der kommenden Woche werde es Gespräche mit Anwalt Wegscheider geben, erst dann würde man sich für oder gegen einen Antrag auf „freies Geleit“ entscheiden, erzählt Christine Foco.

Gespannt warte man vor allem auf die Entscheidung des Justizministeriums, ob das neuerliche „freie Geleit“ ähnlich wie im Jahr 1997 wieder mit einer Kaution, damals waren dies 100.000 Schilling, gekoppelt ist. Bei einer neuerlichen Kautionsforderung werde man den Antrag auf „freies Geleit“ nicht stellen.

Anwalt: "Kein Antrag"

Auch Foco-Anwalt Wegscheider hält sich noch ziemlich bedeckt: „Von mir aus werde ich einen entsprechenden Antrag nicht stellen, außer die Eltern wollen das ausdrücklich.“

Einen neuen Vorschlag hat die grüne Nationalratsabgeordnete Gabi Moser in einem Gespräch Justizministerin Miklautsch vorgebracht. Ein neuerlicher Prozess für Tibor Foco sollte im Falle seiner Rückkehr nicht in Linz stattfinden. „Die ganze Situation ist zu vorbelastet“, so Moser. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 19.02.2005)

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