Bratislava als "sicherste Stadt der Welt"

22. Februar 2005, 18:08
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Drastische Maßnahmen zum Schutz der Präsidenten

Knapp eine Woche vor dem Gipfeltreffen von George Bush und seinem russischen Kollegen Wladimír Putin in Bratislava hat jetzt auch die Öffentlichkeit endlich erste Informationen über geplante Sicherheitsmaßnahmen bekommen. Während des Gipfels soll Bratislava eine "offene Stadt" bleiben, meinte dazu Polizeipräsident Anton Kulich. Die angekündigten Maßnahmen lassen aber viele Bewohner der Stadt an seinen Worten zweifeln.

Rund 5300 Polizisten, 400 Soldaten und 400 Feuerwehrmänner sollen für Sicherheit sorgen. Im Zentrum von Bratislava werden drei strengst bewachte Sicherheitsgebiete entstehen: Rund um das Hotel Carlton, wo angeblich Bush übernachten wird, um die Burg, dem Tagungsort des eigentlichen Gipfeltreffens und rund um den Präsidentenpalast. Laut Ján Packa, dem obersten Verfassungsschützer werden diese Gebiete noch nach einem "Ampelsystem" in Zonen gegliedert - schon beim Eintritt in die grüne Zone müssen alle Passanten eine Sicherheitskontrolle absolvieren, in die gelbe Zone kommt kaum noch jemand hinein, und bei Rot gilt absoluter Stopp für alle, die nicht direkt mit dem Gipfel zu tun haben. Viele Straßen werden abgesperrt, in weiteren soll absolutes Parkverbot gelten, der öffentliche Verkehr wird umgeleitet. Hubschrauber werden das Geschehen in der Stadt beobachten, Scharfschützen auf den Dächern und Balkons in Position gehen.

Die Sicherheitskontrollen empfanden viele Slowaken schon beim letzten Papstbesuch in der Slowakei als lästig. Jetzt sollen die Maßnahmen noch viel schärfer sein. Viel Bewohner des Zentrums planen die Stadt zu verlassen. Eltern von Schulkindern hatten Glück - da nächste Woche in Bratislava Schulferien sind, haben sie ein Problem weniger. Ab Mittwoch ist mit umfangreichen Verkehrsbehinderungen und Verspätungen von Flügen zu rechnen.

Das Kabinett Dzurinda hat nämlich - wohl auf Druck der Amerikaner - entschieden, dass zivile Flugzeuge, die sich in den zeitweilig gesperrten Luftraum verirren sollten, abgeschossen werden. Am Flughafen Wien wird nicht mit Beeinträchtigungen gerechnet, der Flugverkehr laufe ganz normal weiter, sagt man in Schwechat. Einzige Ausnahme: In Grenznähe wird es für den Sichtflugverkehr, also Sportpiloten, Einschränkungen geben. Reisende in die Slowakei, die mit dem Pkw unterwegs sind, müssen sich auf längere Grenzwartezeiten einstellen.

Die Autofahrerklubs erwarten ab heute, Samstag, genaue Kontrollen, bereits am Donnerstag wurden aber schon ein bis zwei Stunden Grenzaufenthalt in Richtung Bratislava gemeldet. Für Lastwagen über 3,5 Tonnen werden die Grenzübergänge Kittsee und Berg zeitweise überhaupt gesperrt (Mittwoch von 13.00-18.00, Donnerstag von sieben bis elf sowie 15.00-19.00 und am Freitag von 13.00-18.00 Uhr). Busse sind nicht betroffen. (Renata Kubicová/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.2.2005)

Von Renata Kubicová aus Bratislava
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    Zu Ehren der prominenten Gäste: die slowakische Bush-Putin-Briefmarke.

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