Transatlantisches Tauwetter

20. Februar 2005, 19:31
7 Postings

Vor dem Europa-Besuch von US-Präsident Bush sind alle Seiten um Optimismus bemüht - Eine dauerhafte Wende ist aber nicht sicher

Schalmeientöne waren es, die da am Donnerstag aus Washington erklangen: Von enger Zusammenarbeit mit den Europäern war bei der Pressekonferenz von George W. Bush die Rede, von gemeinsamen Zielen und von überwundenen Differenzen. Der US-Präsident, der vom Sonntag bis Donnerstag eine Reise durch den Alten Kontinent absolvieren wird, war im Vorfeld merklich um gutes Wetter bemüht.

Nicht minder charmant gab sich auf der anderen Seite des Atlantiks Benita Ferrero-Waldner. Die Vereinigten Staaten und Europa, meinte die EU-Außenkommissarin in Brüssel, kämen "zurück zur Normalität. Wir hatten immer gute Beziehungen, die Differenzen waren der Ausnahmezustand. Denn prinzipiell gibt es mehr Verbindendes als Trennendes zwischen uns." Bush habe "die Wahlen klar gewonnen", und das gebe ihm auch die Stärke, zuhören zu können in Brüssel.

Angeblich neu

Optimistisch betrachtet ist allein schon die Tatsache, dass Bush gleich nach seiner Wiederwahl eine Europareise unternimmt und sich dabei mit Erzkontrahenten wie Jacques Chirac und Gerhard Schröder trifft, ein Erfolg. Zum Höhepunkt der transatlantischen Zerwürfnisse vor dem Irakkrieg wäre schon dies ausgeschlossen gewesen. Viele politische Beobachter, unter ihnen Helmut Schmidt in der Zeit, meinen aber, dass die angeblich neuartige Haltung der Bush-Regierung zu Europa in Wahrheit so neu nicht sei und sich vor allem der Einsicht verdanke, dass die USA zwar leicht "einen Krieg, aber nicht den Frieden" gewinnen können. Hinter Bushs Freundlichkeit verberge sich ein "Ersuchen um Hilfe" (Schmidt).

Und eine Fülle an Meinungsdifferenzen zwischen Europa und den USA bleibt natürlich bestehen: Wie die Iran-Atomkrise gelöst werden soll, die Haltung zum Nahostkonflikt oder zur Aufhebung des europäischen Embargos für Waffenexporte nach China. Auf die Details des zukünftigen transatlantischen Zusammenwirkens, die Bush und seine europäischen Kollegen in den kommenden Tagen besprechen werden, darf man gespannt sein. (Christoph Winder/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.2.2005)

Von Christoph Winder
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bald wird er den Europäern zuwinken: US-Präsident George W. startet am Sonntag seinen Europa-Besuch mit einem Nato-Treffen in Brüssel. In Bratislava trifft er Russlands Vladimir Putin.

Share if you care.