Mord an Münchner Zahnarzt in Tirol offenbar geklärt

19. Februar 2005, 21:51
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Enger Freund und Alleinerbe des Toten als Hauptverdächtiger

München/Innsbruck - Nach einem Jahr ist der Mord an einem 68-jährigen Münchner Zahnarzt in Natters bei Innsbruck offenbar geklärt. Als Tatverdächtiger gilt ein enger Freund des Toten - ein 58 Jahre alter Musiker aus München, gab das Polizeipräsidium München bekannt.

Der mutmaßliche Täter hatte den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren in finanzieller Hinsicht stark von seiner Freundschaft zu dem Zahnarzt profitiert: Er besaß eine Generalvollmacht und war als Alleinerbe eingesetzt. Nachdem sich der Musiker mehreren Versuchen, ihn als Zeugen zu vernehmen, entzogen hatte, folgte er letztlich Mitte Jänner einer staatsanwaltschaftlichen Vorladung.

Widersprüche

Bei der Einvernahme verstrickte sich der Mann immer wieder in Widersprüche und konnte auch früher gemachte widersprüchliche Angaben nicht erklären. Seine Alibiangaben konnten widerlegt werden. Bisher legte er laut Polizei zwar kein Tatgeständnis ab, stellt seine Täterschaft aber nicht mehr ausdrücklich in Abrede.

Gegen den Beschuldigten wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Die Ermittlungen dauerten vorerst noch an. Die Staatsanwaltschaft München I wird das Verfahren übernehmen, weil der Musiker als deutscher Staatsangehöriger nicht an Österreich ausgeliefert werden kann.

Vorgetäuschter Selbstmord

Die Leiche des Zahnarztes war am 3. Februar 2004 an einem entlegenen Waldrand in Natters entdeckt worden. Er starb in Folge eines Kopfschusses. Der Mord hatte sich in der vorangegangenen Nacht ereignet. Die Schusswaffe, eine Pistole, lag auf dem Toten. Dadurch sollte ein Selbstmord vorgetäuscht werden. Parallel zu den Ermittlungen der Tiroler Behörden hatte die Staatsanwaltschaft München I zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet.

Ein Bekannter des Zahnarztes im Ruhestand hatte zuvor eine Vermisstenanzeige erstattet, weil dieser aus seiner Wohnung spurlos verschwunden war. Es wurde festgestellt, dass sich der 68-Jährige bereits Ende September 2003 von München nach Cassino in Italien abgemeldet hatte und seinen Wohnsitz in München vermutlich auflösen wollte. In der Folgezeit war es aber weder Bekannten, Freunden oder ehemaligen Arbeitskollegen gelungen, Kontakt mit dem Zahnarzt zu bekommen. Er blieb verschwunden. (APA)

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