Diplomatisches Nachspiel für Berlusconi-Spot des schwedischen TV

20. Februar 2005, 13:46
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Schwedens Botschafter ins italienische Außenministerium zitiert

Rom/Stockholm - Ein Reklamefilm des öffentlich-rechtlichen schwedischen Senders SVT in eigener Sache hat nun auch diplomatische Konsequenzen: Schon am Donnerstag wurde der schwedische Botschafter in Rom, Staffan Wrigstad, deswegen ins italienische Außenministerium zitiert. Wie der Pressejournaldienst des schwedischen Außenministeriums der APA am Freitag telefonisch bestätigte, war davor auch der italienische Botschafter in Stockholm in der selben Angelegenheit vorstellig geworden.

Was genau der Inhalt der italienischen Vorbringungen war, teilte das Außenministerium in Stockholm nicht mit. Schweden habe jedoch im Zusammenhang mit dem TV-Spot, der den Einfluss von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf die Medien seines Landes anprangert, auf die Meinungs- und Pressefreiheitsgesetze des Landes hingewiesen und darauf, dass die schwedische Regierung aus diesem Grund nicht "agieren könne", so Christian Carlsson vom Außenministerium in Stockholm.

Italienische Regierung besorgt

Laut dem schwedischen Nachrichtenradio "Ekot" ist die italienische Regierung "besorgt" und sieht den beanstandeten Werbespot als "Angriff" durch eine öffentlich-rechtliche Institution, für die die schwedische Regierung in den Augen der Italiener die letztendliche Verantwortung trägt.

Die schwedische Außenhandelsstelle in Mailand erhielt indes empörte Anrufe in der Angelegenheit, die bereits vor zwei Tagen durch den italienischen Blätterwald gegangen war. "Es war so ähnlich wie nach dem 2:2 bei der Fußball-WM (gemeint ist wohl die vorjährige EM in Portugal, als das 2:2 zwischen Schweden und Dänemark das Achtelfinal-Aus für Italien bedeutete, Anm.) Damals kriegten wir eine Zeit lang blöde Bemerkungen und Anspielungen, die die Atmosphäre ein bisschen frostig machten", berichtete Kajsa Wikström von der Handelsvertretung im schwedischen Radio.

Ein ähnlicher TV-Spot wurde von SVT auch mit Filmmaterial über den russischen Präsidenten Putin, dem darin ebenfalls die Kontrolle der Medien seines Landes attestiert wird, gedreht. Das schwedische Fernsehen betrachtet die Werbefilme als "Diskussionsbeitrag". (APA)

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