Kundin des spektakulären Bank-Urteils ist kürzlich tödlich verunglückt

21. Februar 2005, 13:28
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Debatte um Präzedenzwirkung: Bank muss vor Raub schützen - künftige Schadensersatz-Forderungen befürchtet

Wien - Nach einem spektakulären Urteil des Oberlandesgerichts Wien (OLG) muss eine Großbank - die Bank Austria Creditantalt (BA-CA) - einer vor der Bank von Räubern heimgesuchten Kundin das geraubte Geld ersetzen. Die BA-CA rechnet nun mit einer "branchenübergreifenden Wirkung" des Entscheids. "Künftig werden sich wohl viele Raub-Opfer auch anderer Branchen, in denen es um viel Geld oder Luxusgüter geht, auf dieses Urteil berufen", vermutet ein Banksprecher gegenüber der APA. In der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) will man daran nicht einmal denken, die Banken-Vertretung in der Kammer spricht dem OLG-Urteil zur BA-CA auch eine Präzedenwirkung innerhalb der Kreditwirtschaft ab.

Besonders tragisch aber ist freilich, dass die betroffene Kundin von ihrem Sieg vor Gericht nichts mehr hat. Sie ist kürzlich tödlich verunglückt. In der Bank Austria wird auf Nachfrage auf das Bankgeheimnis verwiesen. Grundsätzlich gilt in Schadenersatzfragen nach solchen Unglücksfällen, dass zugesprochene Summen selbstverständlich und vollständig in der gesetzlichen Erbfolge ausbezahlt werden. Voraussetzung, das Konto des oder der Verstorbenen war nicht im Minus.

Hintergrund

Zum Hintergrund: Die Kundin war nach Beheben von 28.000 Euro in einer BA-CA-Filiale in Wien-Fünfhaus auf dem Weg in ihre Wohnung überfallen worden. Die Frau war zuvor beim Geldabheben in der Filiale von einem Mitglied einer Räuberbande ausspioniert worden. Am Weg zu ihrer nur 500 Meter von der Bank entfernten Wohnung wurde sie - in Begleitung ihres Vaters, der aus Sicherheitsgründen mitgekommen war - ausgeraubt. Die Täter sprühten den beiden Pfefferspray ins Gesicht. Die Frau verklagte die Bank auf Schadenersatz. Das Urteil: Die Bank muss ihre Kunden vor Überfällen schützen. Und: Der Schutz der Kunden erstrecke sich nicht nur auf den Innenraum der Filiale, sondern auch außerhalb derselben auf den gefahrlosen Zu- und Abgang.

Gerade daran knüpft der oberste Bankenvertreter in der Wirtschaftskammer kritisch an: "Die Sicherheit außerhalb des Geschäfts oder der Filiale kann nicht die Aufgabe von Unternehmen sein", empört sich Herbert Pichler, Geschäftsführer der Bundeskreditsparte, am Freitag. Und er spricht von einem "Einzelfall" ohne Präzedenz-Effekt.

Die Kreditinstitute in Österreich, so Pichler, nähmen ihre Sorgfaltspflicht sehr ernst. Jährlich würde viel Geld in Sicherheit und Kundenkomfort investiert. Der im aktuellen Urteil festgehaltene Sorgfaltsmaßstab erscheine aber "unabhängig von den Besonderheiten im Einzelfall keinesfalls übertragbar", so Pichler.

Die betreffende BA-CA-Filiale war in den vergangenen drei Jahren mehrmals überfallen worden. Die Bank habe trotzdem keine Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um solche Überfälle hintan zu halten, rügten die Richter. Außerdem wurde die Kundin nicht gewarnt.

Sicherheitspaket

Ein umfangreiches Sicherheitspakets hat die Bank Austria bereits am Donnerstag in Aussicht gestellt. Um Überfälle bei räumlichen Transfers hoher Geldmengen auszuschließen, empfiehlt sie auch heute als einfachsten und sichersten Weg schlicht die Überweisung. Als "praktikable Möglichkeit" empfindet auch der BA-CA-Sprecher den vom Gericht geäußerten Vorschlag, Kunden, die sich eine größere Summe an Barem besorgt haben, zum Schutz und zur Begleitung Wachpersonal mit auf den Weg zu geben. Auch Juweliere praktizieren das beim Verkauf teurerer Stücke und auf Kundenwunsch. Guten Kunden und nach Käufen in höherpreisigen Kategorien werden die Stücke auf Wunsch auch nach Hause geliefert, so ein Wiener Innenstadtjuwelier zur APA. (APA)

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