Termin für KHM-Evaluierungsstudie

24. Februar 2005, 19:13
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Bilanz 2004 mit Gewinnen bei Besucherrückgang

Wien - Nach mehr als fünf Jahren der Generalsanierung kommt am 5. September die Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums Wien (KHM) zur Wiedereröffnung, und am 28. Februar wird Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) die Evaluierungsstudie über die unter ihrer Ägide stehenden Bundesmuseen präsentieren. Dies verkündete KHM-Direktor Wilfried Seipel am Freitag bei einem Pressegespräch, bei dem er auch die Bilanz des Jahres 2004 präsentierte. Das Museum hat einen Jahresüberschuss von 1,48 Mio. Euro erzielt, die Besucherzahlen sind hingegen auf 1.308.684 zurückgegangen.

"Zweischneidiges Schwert"

2003 hatten die KHM-Standorte insgesamt noch 1.415.235 Besucher angelockt. Die Differenz ergebe sich aus den 2004 weggefallenen rund 80.000 Besuchern des geschlossenen Völkerkundemuseums; ebenso habe die Entscheidung, am 26. Oktober Eintritt zu verlangen, sich zwar "wirtschaftlich positiv" ausgewirkt, jedoch negativ auf die Besucherzahlen (von 32.000 im Jahr 2003 sanken sie auf 15.000 im Jahr 2004). Das KHM-Haupthaus habe 580.000 Besucher verzeichnen können.

Der Eigendeckungsgrad betrage insgesamt 39 Prozent. Der erwirtschaftete Jahresüberschuss sei "ein zweischneidiges Schwert", so Seipel. Einerseits sei er "großartiger" und immer effizienterer Arbeit des KHM zu verdanken, andererseits nur durch "massive Sparmaßnahmen" zu verwirklichen gewesen. Die Notwendigkeit zu sparen liege in den durch die Inflation "letztlich immer geringer werdenden Bundesmitteln" begründet. Auf deren Erhöhung könne Seipel nicht verzichten.

Goya und Bellotto

Das KHM hat 2004 insgesamt 22 Ausstellungen an acht Standorten in Wien gestaltet. Heuer wird das lange geplante Großvorhaben "Francisco de Goya. Prophet der Moderne" (19. Oktober bis 8. Jänner 2006) in Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin, wo die Schau auch zuerst zu sehen sein wird, nun "endlich" verwirklicht, so Seipel. Ebenso gibt es die erste Schau in Wien zu Bernardo Bellotto (16. 3. bis 19. 6.).

2006 folgt die Schau "Das Gold der Artemis" (12. 6. bis 17. 9. 2006), die in Kooperation mit türkischen Museen entstehen und möglicherweise auch nach Athen wandern wird - "das wäre eine kulturpolitische Sensation", so Seipel.

"Neue Inszenierung" für Antike

Die Wiedereröffnung der Antikensammlung am 5. September sei "endgültig und unwiderruflich", betonte Seipel. Der Ausstellungsbereich war seit April 2000 geschlossen gewesen und um 3,3 Mio. Euro generalsaniert worden. Es musste u. a. Strom eingeleitet werden. Ab September sind 2.250 Objekte aus den KHM-Beständen an Skulpturen, Bronzen, Statuetten und Goldschmiedearbeiten aus der Zeit von 3000 vor bis 1000 n. Chr. in den renovierten neun Sälen und sieben Kabinetten auf insgesamt 1.452 Quadratmetern wieder zu sehen. Die Ausstellung soll einer "neuen Inszenierung" folgen und Highlights der Sammlung wie die "Gemma Augustea" in den optischen Mittelpunkt rücken, schilderte Architekt Hans Hoffer. Digitale Projektionen, neue Beleuchtungen, 120 neue Vitrinen und eine begehbare "Tresor"-Skulptur, die in mehreren Teilen durchs Fenster geliefert werden muss, sollen einen "spannenden Dialog zwischen antiken Objekten und heutiger Wahrnehmung" ermöglichen.

Die Wiedereröffnung der Antikensammlung ist gleichzeitig Startschuss für das nächste Großprojekt, die Neueinrichtung der Kunstkammer. Diese wird mit 5 Mio. Euro zu Buche schlagen - "die wir nicht haben", so Seipel, der auf Sponsoren und zusätzliche öffentliche Gelder hofft. Als erstes Resultat der Evaluierungsstudie nannte Seipel die "dringende Empfehlung" der Überdachung des zweiten KHM-Innenhofs. Und am 5. November wird in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kassenhalle der Österreichischen Bundestheater im Hanuschhof von Theatermuseum und Oper ein ebenfalls von Hoffer gestaltetes Staatsopernmuseum eröffnet.

Big in Japan

Aufgeschlüsselt hat Seipel auch die Besucherzahlen nach Nationalitäten. Ein Viertel der Museumsgäste kommt aus Österreich, am gewissenhaftesten sind jedoch die Japaner, die zehn Prozent der Besucher ausmachen: "Praktisch jeder Japaner, der in Wien übernachtet, kommt zu uns", so Seipel. Zur laufenden Museumsdebatte meinte er, die Museen hätten sich nicht vorwiegend mit "übergreifenden Gesamtkonzepten" zu beschäftigen, sondern ihre "Hausarbeit" zu machen. (APA)

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