Ein Drittel der Österreicher sieht persönliche Vorteile durch die EU

18. Februar 2005, 18:41
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Fünf Prozent erteilen Gemeinschaft ein "Sehr Gut", 15 Prozent ein "Nichtgenügend"

Wien - Ein Drittel der Österreicher (33 Prozent) denkt, dass die Mitgliedschaft bei der Europäischen Union "ihnen persönlich" mehr Vor- als Nachteile gebracht hat. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) bei der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft in Auftrag gegeben hatte. Demnach sieht ein weiteres Drittel (32 Prozent) weder Vor- noch Nachteile, rund 31 Prozent gaben an, dass für sie persönlich die Nachteile überwiegen würden. Befragt wurden 1.177 Personen.

Der Anteil jener, die mehr positive als negative Folgen durch die Zugehörigkeit zur EU sahen, ist laut den Ergebnissen seit einer Vergleichsstudie im Frühjahr 2004 um sieben Prozent gestiegen. Sieben Prozent der Umfrage-Teilnehmer sahen zehn Jahre nach dem Beitritt Österreichs sogar "deutlich mehr Vorteile", 26 Prozent sahen "etwas mehr Vorteile". Gleichzeitig hat der Anteil jener, die mehr negative Folgen feststellten, um sechs Prozent abgenommen.

Je nach Alter wurden persönliche Vorteile häufiger bzw. seltener wahrgenommen. Während 45 Prozent der befragten Personen zwischen 16 und 25 Jahren angaben zu profitieren, waren es in der Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen nur mehr 41 und bei den 36- bis 50-Jährigen nur noch 27 Prozent. Bei den über 50-Jährigen sprach knapp ein Drittel von mehr Vor- als Nachteilen.

Wenn es um eine "Benotung" der EU unabhängig von der Einschätzung der Auswirkungen auf die persönliche Situation geht, so gibt der größte Anteil (37 Prozent) auf einer Schulnoten-Skala von Eins bis Fünf der Gemeinschaft ein "Befriedigend". Nur fünf Prozent der Befragten bewerteten sie mit einem "Sehr gut", 15 Prozent erteilten Brüssel zehn Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs dagegen ein "Nichtgenügend". 25 Prozent benoteten mit einem "Gut", 19 mit einem "Genügend".

Ähnlich wie bei der Frage zur persönlichen Lage zeichnet sich bei der Benotung der EU also ungefähr eine Drittelung ab: 30 Prozent sind zufrieden, 32 Prozent unzufrieden; 37 Prozent sind der Europäischen Union gegenüber neutral eingestellt.

"Brüssel kann die Frauenherzen weniger erwärmen als die der Männer", erklärte ÖGfE-Generalsekretär Gerhard Bauer am Freitag bei der Präsentation der Umfrage in Wien. Während nämlich 35 Prozent der Männer eine "Eins" oder "Zwei" vergaben, taten dies nur 27 Prozent der weiblichen Befragten.

Für Bauer sind der Bevölkerung die Vorteile der EU noch immer nicht ausreichend bewusst. Er führte das auf unzureichende Information zurück. "Mit dem Informationsstand der Österreicher steht es nicht zum Besten", meinte auch Franz Birk, früherer Leiter des Meinungsinstituts IFES. Die wichtigsten Medien in Österreich dürften zudem nicht nur über "Privilegien und Korruption" berichten, sondern auch über die positiven Auswirkungen der Mitgliedschaft, bemängelte er. Seiner Ansicht nach steht dem Einsatz von Infotainment zur besseren Aufklärung der Bevölkerung über die EU "nichts im Weg".

ÖGfE-Vizepräsident, Albert Rohan, meinte, dass vor allem der Zusammenhang etwa zwischen höheren Unternehmensgewinnen oder eines Wirtschaftswachstums einerseits und der Zugehörigkeit Österreichs zur EU andererseits bewusst gemacht werden sollte. Die EU-Kommissarin für Kommunikationsstrategie, Margot Wallström, habe jedenfalls viel zu tun. (APA)

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