Missbrauch erfunden: Ex-Ehemann saß zu Unrecht im Gefängnis

21. Februar 2005, 13:27
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Frau beschuldigte Ehemann und seine Familie sie mehrmals vergewaltigt und gemartert zu haben

Wien - Die 30-jährige Wienerin, die im Vorjahr behauptet hatte, sie sei von ihrem Ex-Mann und seinen Verwandten bzw. Freunden mehrmals vergewaltigt und gemartert worden, sitzt nun selber im Gefängnis.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Frau wegen Verleumdung, falscher Zeugenaussage und Vortäuschung einer mit Strafe bedrohten Handlung. Wegen Tatbegehungs- und Verdunkelungsgefahr wurde über sie die U-Haft verhängt. Das Verfahren gegen ihren Ex-Mann wurde eingestellt, bestätigte sein Anwalt Alexander Philipp am Freitag.

Die Geschichte, mit der die gelernte Verkäuferin zur Polizei gegangen war, hatte für gehöriges Aufsehen gesorgt. Sie behauptete, nach der Scheidung von ihrem Ex-Mann, einem Kosovo-Albaner, missbraucht worden zu sein. Später, als dieser auf ihre Anzeige hin festgenommen wurde, hätten ihr Mitglieder seiner Familie aufgelauert, sie verschleppt und sich an ihr vergangen.

Rufdaten-Rückerfassung

Nach zweieinhalb Monaten wurden der Ex-Mann und mit ihm fünf weitere, mittlerweile verhaftete angebliche Mittäter jedoch auf freien Fuß gesetzt. "Die Anschuldigungen sind wie ein Kartenhaus zusammengebrochen", meinte damals ein Gerichtssprecher. Mittels Rufdaten-Rückerfassung konnte festgestellt werden, dass die Frau immer wieder selbst telefonischen Kontakt zu den angeblichen Tätern gesucht hatte, was nicht zu ihrer Darstellung passte.

Männer hatten AlibisP> Einige der Männer hatten außerdem hieb- und stichfeste Alibis. Auch die Behauptung der Frau, sie wäre im Zuge der Vergewaltigungen mehrmals geschwängert worden und hätte in einem Spital abgetrieben, erwies sich als falsch: Die 30-Jährige wurde in besagtem Krankenhaus niemals behandelt.

Nachdem die Verdächtigen wieder in Freiheit waren, erstattete die Frau allerdings weiter gegen diese Anzeigen. Drei Mal marschierte sie zur Polizei und erzählte, ihr Ex-Mann habe sie neuerlich vergewaltigt, zuletzt am 12. Jänner auf dem Heimweg vom Zahnarzt. Zum von ihr genannten Zeitpunkt saß der angebliche Täter jedoch beim Passamt und wartete auf die Ausstellung eines Reisepasses.

"Das Ganze ist eine unglaubliche Sauerei", meinte der Anwalt des Ex-Mannes. Er erwägt, die Republik auf Haftentschädigung zu klagen. Der Frau, die demnächst einen Antrag auf Bestrafung zugestellt bekommen wird, muss in ihrem Prozess mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Laut psychiatrischem Gutachten leidet sie zwar ein einer schweren Persönlichkeitsstörung, die Zurechnungsfähigkeit wird von der Sachverständigen aber bejaht. (APA)

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