Putin kündigt Iran-Besuch an

20. Februar 2005, 13:22
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Teheran will nach russischer Überzeugung keine Atomwaffen entwickeln

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin will die Zusammenarbeit mit dem Iran bei Atomprojekten fortsetzen und vertiefen. Bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden des iranischen Sicherheitsrats, Hassan Rowhani, zeigte sich Putin am Freitag in Moskau davon überzeugt, dass Teheran nicht die Absicht habe, Atomwaffen zu entwickeln. Eine Einladung zu einem Iran-Besuch habe er angenommen.

Putin begründete seine Einschätzung auch mit einem Abkommen zur Rücknahme abgebrannter atomarer Brennstoffe, das Russland und der Iran demnächst unterzeichnen würden. Damit sei sichergestellt, dass in dem mit russischer Hilfe gebauten Atomkraftwerk Bushehr anfallendes Plutonium nicht für den Bau von Atomwaffen abgezweigt werden könne. Bushehr soll im kommenden Jahr ans Netz gehen. Der Chef der russischen Atomenergiebehörde wird in der kommenden Woche im Iran erwartet, um das Rücknahmeprotokoll zu unterzeichnen.

"Die jüngsten Schritte des Iran haben bestätigt, dass der Iran nicht die Absicht hat, Atomwaffen zu entwickeln", sagte Putin. "Wir werden fortfahren, unsere Beziehungen auf allen Gebieten, einschließlich der friedlichen Nutzung der Atomenergie, weiter zu entwickeln."

Rowhani räumte ein, dass die internationale Gemeinschaft seit langem ihre Besorgnis über das iranische Atomprogramm vorbringe. "Jetzt kann aber niemand mehr am friedlichen Charakter des iranischen Atomprogramms zweifeln", erklärte er.

Putin mahnte die Iraner, sich an internationale Verpflichtungen zu halten. "Wir hoffen, dass sich der Iran strikt an alle Verpflichtungen hält, die er bilateral gegenüber Russland und international eingegangen ist", sagte der russische Präsident. Er kündigte zudem an, nach Teheran zu reisen. Einen Termin nannte er nicht. Rowhani sagte, Russland könne bei der Beilegung der Krise um das iranische Atomprogramm eine wichtige Rolle spielen.

Russland und der Iran hatten sich am Donnerstag darauf geeinigt, am 26. Februar ein Abkommen über die Rückführung benutzter Brennstäbe aus dem iranischen Atomkraftwerk Bushehr nach Russland zu unterzeichnen. Die Fertigstellung der Anlage mit russischer Hilfe scheiterte bisher an der Weigerung des Iran, den gebrauchten Kernbrennstoff an Russland zurückzuführen. Moskau und der Westen befürchten, der Iran könnte den gebrauchten Brennstoff mit Hilfe von Zentrifugen aufarbeiten und zur Herstellung von "schmutzigen Bomben" oder Atomwaffen nutzen. Nach russischen Angaben könnte die Anlage bis zum Jahresende fertiggestellt werden und 2006 in Betrieb gehen.

Die USA verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms den Bau einer Atombombe zu verfolgen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien verhandeln mit Teheran im Namen der EU über ein Abkommen, das eine militärische Nutzung der Atomenergie ausschließen soll. (APA/AP)

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