Was der Bund nicht gibt, muss der Besucher zahlen

24. Februar 2005, 16:44
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Hilfe in Not: Das Burgtheater erhöht die Kartenpreise

Wien – Für die einen (von der Bundestheater-Holding) ist das "Ende der Fahnenstange erreicht" – die anderen wie Burgtheaterdirektor Klaus Bachler tragen der weit gehenden Unanfechtbarkeit ihrer Bilanzen insofern Rechnung, als sie jetzt die stagnierende Bezuschussung durch den Bund kompensieren (müssen) und an die Erhöhung ihrer Kartenpreise gehen.

Ein zweischneidiges Schwert, so Bachler im Pressegespräch: "Unsere Kartenpreise kann man im europäischen Kontext nunmehr getrost als hoch ansehen. Aber die Aufrechterhaltung unserer Produktivität wie unseres Stellenwerts ist aus eigenen Mitteln sonst nicht mehr zu leisten." Die Valorisierung der Kartenpreise sieht für die Spielzeit 2005/06 eine rund zehnprozentige, lineare Erhöhung für die ersten sechs Preiskategorien vor: Wer für die szenische Erquickung ehedem 44 Euro auf den Schaltertresen legte, muss nun vier Euro mehr aus der Börse herauskratzen.

Analog die Situation im Billigpreissegment: Sieben-Euro-Kartenansteher werden künftig zehn Münzen blechen müssen. Schüler, Studenten, Arbeitslose bleiben ungeschoren, ebenso die unter Artenschutz stehende Gattung der Festabonnenten. Die einzig säumigen Valorisierer seien jetzt "die Subventionsgeber".

Bachlers Verteidigungsreden sind, obwohl von Elan getragen, zwangsläufig defensiv. Er werde "den Teufel tun" und den Betrieb herunterfahren: das Kasino zusperren, die Produktionszahl drosseln. "Es wird gerne vergessen, dass wir auch das Nachwuchsfeld für die Opernregie abgeben." Die Holding löst ihre Baubudgets auf und lässt zwischen 1,7 und drei Millionen Euro hinüberwachsen. Unternehmensberatungsfirmen sind des Lobes für die Burg voll.

Die Holding-Konstruktion sei gerade nicht dazu geeignet, Gewinne des einen Betriebes (Staatsoper) in den Schwesternkonzern zu pumpen. Bachler: "Dann will ich aber auch nicht auf irgendwelchen Abendessen den Herrn Bundeskanzler anreden müssen, sondern dasjenige Budget bekommen, dass es mir ermöglicht, den kulturellen Auftrag ordentlich zu erfüllen!"

Die Aporie bleibt bestehen: Der Bund redet sich auf die absolute Subventionssumme (50 Mio. Euro) heraus, wenn er die Nichtgewährung von Subventionserhöhungen begründet. Bachler muss seinerseits als erfolgreicher Konzernmanager (83 Prozent Auslastung) agieren und trotzdem die Eigenart der schönen Künste geltend machen.

Zu den Besonderheiten gehört übrigens auch, dass die Uraufführung des neuen Robert-Menasse-Stückes ungewisser denn je erscheint. Bachler: "Es ist in der Geschichte verschiedentlich vorgekommen, dass in Auftrag gegebene Stücke nicht uraufgeführt wurden!" Obwohl er das natürlich nicht wollen kann.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.2.2005)

Von Ronald Pohl
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