Frauen mit Behinderung wollen arbeiten

19. Februar 2005, 15:00
1 Posting

Frauengesundheitszentrum Graz präsentierte Forschungsstudie "be gender": Zuwenig Unterstützung für Frauen

Graz - Frauen mit Behinderung erhalten bei der Arbeitsplatzsuche weniger Unterstützung als Männer mit Behinderung. Arbeit hat aber einen zentralen Stellenwert in ihrem Leben. Diese und weitere Ergebnisse der Forschungsstudie "be gender" stellte das Grazer Frauengesundheitszentrum am Donnerstag im Grazer Kristallwerk vor.

***

Die qualitative Forschungsstudie "be gender" wurde vom Frauengesundheitszentrum im Auftrag der Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes von Mai bis Dezember 2004 durchgeführt. Ihre nun präsentierten Ergebnisse zeigen, dass jüngere Frauen und Männer mit Behinderung froh sind über Unterstützungsmaßnahmen bei der Arbeitssuche. Männer werden in der Zeit der Ausbildungs- und Berufswahl aber in höherem Maß betreut als Frauen. "Wenn Unterstützung von Frauen und Männern gutgeheißen und als hilfreich erlebt wird, so kann die geringere Begleitung von Frauen nicht an ihrem Desinteresse liegen", stellte Projektleiterin Sylvia Groth fest. Die Ungleichheit muss folglich in den Strukturen der Begleitungs- und Unterstützungseinrichtungen verankert sein.

Das Gefühl, gebraucht zu werden

Alle im Rahmen der Studie "be gender" Befragten berichteten von Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche und bis zu hundert abgeschickten Bewerbungen. Gelingt es Frauen mit Behinderung, eine Arbeit zu finden, sind sie stolz, selbst Geld zu verdienen: "Es ist für mich wichtig, denn es ist eine Bestätigung, dass ich gebraucht werde", erklärte eine Interviewpartnerin mit körperlicher Behinderung. Arbeit gibt das Gefühl, in die Gesellschaft integriert zu sein. Niedriger Lohn wird in Kauf genommen, aus Angst keine andere Anstellung zu finden.

ExpertInnen für das eigene Leben

Die nun präsentierte qualitative Forschungsstudie be gender setzt sich aus drei Teilen zusammen. In narrativen Interviews wurden Frauen und Männer mit Behinderung befragt. Sie erzählten über ihre Arbeit, ihre Arbeitsplatzsuche, Familie, Freundschaften und Zukunftswünsche. Für die Arbeitsplatzanalyse wurden neben Frauen mit Behinderung, die am ersten Arbeitsmarkt tätig sind, auch deren Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen befragt. Weiters wurden Leiterinnen und Leiter von Behinderteneinrichtungen interviewt.

Zusätzlich fanden zwei ExpertInnenräte mit Fachfrauen und -männern aus Wissenschaft und Lehre und mit Betroffenen statt. "Die Frauen und Männer mit Behinderung sind ExpertInnen für ihr eigenes Leben", stellte das Forscherinnenteam fest. Auch die Ergebnisse der Studie wurden mit den InterviewpartnerInnen in einer Abschlussrunde diskutiert. An der Präsentation der Studienergebnisse am Donnerstag im Grazer Kristallwerk wirkten ebenfalls Frauen und Männer mit Behinderung mit.

Umsetzung

Um die Ergebnisse von "be gender" in die Praxis einzubringen, planen das Frauengesundheitszentrum und die Landesstelle Steiermark des Bundessozialamtes ein Umsetzungsprojekt. (red)

be gender
Das "be" steht für Behinderung, "gender" meint das soziale Geschlecht - und damit alle Erwartungen und Vorstellungen, die eine Gesellschaft an Frauen und Männer knüpft.

Link

Frauengesund-
heitszentrum Graz

Share if you care.