AT&S Fohnsdorf: Belegschaft erwägt "härtere Maßnahmen"

25. Februar 2005, 20:50
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HTP-Beschäftigte solidarisieren sich mit von Verlegung betroffenen Kollegen - Klasnic plant "Obersteiermark-Konferenz"

Graz - Die Belegschaft der AT&S im obersteirischen Fohnsdorf und die Gewerkschaft wollen sich gegen die Verlagerung ihres Standortes wehren. Betriebsratsvorsitzender Markus Schumy sagte, mit den Betroffenen sei vorher kein Gespräch gesucht worden, und kündigte "härtere Maßnahmen" an. Die teilweise zum Firmenimperium von Hannes Androsch gehörende HTP in Fohnsdorf solidarisierte sich am Freitag mit ihren AT&S-Kollegen. Steiermarks Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) will nach der Ankündigung der Verlegung von AT&S von Fohnsdorf nach Leoben am 4. März eine "Obersteiermarkkonferenz" abhalten.

"Massive Verunsicherung"

Der Betriebsrat der AT&S Fohnsdorf meinte am Freitag, es sei durch eine "unverständliche Erklärung des AR-Vorsitzenden der AT&S-Gruppe, Hannes Androsch, zu einer massiven Verunsicherung der örtlichen Belegschaft gekommen". Die rund 380 Beschäftigten wehrten sich ausdrücklich gegen eine solche Vorgangsweise. Bei der Freitag abgehaltenen Betriebsratssitzung seien drei Punkte beschlossen worden. Sollte diesen nicht ausdrücklich nachgekommen werden, "wären wir gezwungen, härtere Maßnahmen zur Durchsetzung unserer Ziele anzuwenden", so die Betriebsräte. Man werde nicht tatenlos zusehen, dass "ein weiterer Betrieb unserer Region durch rein kapitalistische Aktionen geschlossen wird".

Verlangt wird eine sofortige Einbindung der Belegschaftsvertreter in sozialpartnerschaftliche Gespräche, "um die Eskalation wieder in den Griff zu kriegen". Weiters fordere man den nachhaltigen Weiterbestand des Standortes und - falls notwendig - die benötigen Fördermittel. Im dritten Punkt solidarisierten sich die Betriebsräte der High Tech Plastics (HTP) Fohnsdorf mit ihren Kollegen und stellten klar, dass bei einer AT&S-Absiedelung nach Leoben-Hinterberg auch der eigene Betrieb "massiv gefährdet" wäre. Der ehemalige Ersatzbetrieb für den zugesperrten Bergbau in Fohnsdorf wäre damit nicht mehr wirtschaftlich zu führen, da sich die Kostensituation ohne Synergieeffekte der Infrastruktur enorm verschlimmern würde.

Klasnic beruft Obersteiermark-Konferenz ein

Man bekenne sich mit Nachdruck zur Sicherung der Zukunftsperspektive für das Land und speziell die westliche Obersteiermark, hieß es am Freitag aus dem Büro Klasnic. Die Obersteiermarkkonferenz solle am 4. März um 9.30 Uhr im Schulungszentrum Fohnsdorf stattfinden, mit Vertretern der Sozialpartner wie WK, AK, Landwirtschaftskammer, Industriellenvereinigung (IV) und ÖGB. Dazu sollen sich noch Vertreter von AMS und Austria Wirtschaftsservice sowie aus Industrie, Wirtschaft und der Region zur Diskussion einer "strategischen Regionalentwicklung" treffen, hieß es.

Zur Causa Fohnsdorf hielt die steirische IV fest, dass "unter globalem Wettbewerbsdruck eine Lösung in derselben Region wie bei AT&S ein Glücksfall" sei. Man müsse deshalb keine Krise herbeireden, so IV-Vorsitzender Jochen Pildner-Steinburg. (APA)

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