Widerspenstige USA

23. Februar 2005, 00:49
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Wichtigkeit der Zusammenarbeit, um den Weltraum zu erobern, bei internationaler Konferenz in Brüssel betont

Brüssel - Wenn die Menschheit den Weltraum dauerhaft erobern und nutzen will, geht dies nur mit mehr Zusammenarbeit rund um den Globus. Dies ist eines der Ergebnisse einer hochkarätigen Konferenz in Brüssel, an der am Donnerstag und Freitag Experten aus mehr als 40 Ländern teilnahmen. "Jede Weltraumpolitik muss eine weltweite Politik sein", forderte der Vizechef der EU-Kommission, Günter Verheugen, der die Konferenz organisierte. Zwar gibt es schon erfolgreiche Beispiele internationaler Kooperation wie die europäische Rakete Ariane oder die auf Titan aktive Sonde Huygens, doch verhindert die zögerliche Haltung einiger Staaten oft schnellere Fortschritte.

"Wir können es allein nicht schaffen", sagte Verheugen mit Blick auf die Eroberung des Weltraums. Sowohl innerhalb Europas als auch weltweit müsse die Zusammenarbeit intensiviert werden. Denn dabei hapert es oft, gab der Chef der Europäischen Raumagentur ESA, Jean-Jacques Dordain, zu bedenken: "Es ist nicht immer leicht, einen Kompromiss zu finden." Das funktioniere nur bei "gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und gemeinsamen Kulturen". Auch wenn der amerikanisch-sowjetische Wettlauf ins All Geschichte ist, versuchen immer noch viele Beteiligte, ihre Ideen auf eigene Faust auszubeuten, statt sie zu vernetzen.

Widerspenstige USA

Besonders die USA zeigen sich in der Kooperation oft widerspenstig, wie selbst der Personalchef der US-Raumfahrtbehörde NASA, John Schumacher, in Brüssel einräumte. Die Amerikaner hätten strenge Gesetze zum Technologietransfer und scharfe Exportkontrollen, die die wissenschaftliche Zusammenarbeit erschwerten. Dennoch wollten die USA sich weiter engagieren, und so solle auch die Arbeit an der Internationalen Raumstation (ISS) bald fortgesetzt werden. Dafür müssen zunächst die US-Raumfähren wieder in Betrieb genommen werden, die seit dem Columbia-Unglück im Februar 2003 nicht mehr fliegen. Zur Zeit kann die ISS nur mit russischen Raumschiffen erreicht werden.

Um die Bedeutung der ISS zu unterstreichen, führten die Konferenzteilnehmer ein direktes Gespräch mit der derzeitigen Besatzung der Station, dem Amerikaner Leroy Chiao und dem Russen Salischan Scharipow. Die ISS sei doch "ein Symbol der internationalen Zusammenarbeit", sagte Chiao. Scharipow versicherte, die Astronauten liebäugelten schon mit künftigen Projekten. Dabei bleiben aber Fragezeichen: Die Space Shuttles der NASA sollen zwar ab dem Mai wieder zur ISS fliegen, aber ihr Einsatz ist nur bis 2010 vorgesehen und ein Nachfolgeprojekt bisher nicht in Sicht.

Aurora

Nur ein Erfolg der ISS werde technisch und politisch den Weg für weitere überzeugende Programme ebnen, sagte Dietrich Vennemann, der bei der ESA für das ehrgeizige Erkundungsprogramm Aurora zuständig ist. Im Rahmen von Aurora will Europa zusammen mit anderen Weltraummächten bis 2036 Menschen zum Mars fliegen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der ISS, zum Beispiel die Reaktion des menschlichen Organismus auf Langzeitaufenthalte im All, seien dafür unabdingbar, betonte Vennemann. Eine bemannte Mars-Mission wird voraussichtlich zwei Jahre dauern, ein Jahr werden allein Hin- und Rückflug von und zum Roten Planeten in Anspruch nehmen.

Diese Projekte müssen keine Träume bleiben, glaubt der US-Wissenschafter John Logdsdon von der George-Washington-Universität in der US-Hauptstadt. Noch in diesem Jahrhundert könne die Menschheit "alle Verheißungen der Weltraumforschung wahr werden lassen" - aber nur, wenn alle Staaten zusammenarbeiten. (APA)

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